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kennenlernen werden, besorgte dort die Henkersaufgaben und den Strafvollzug, hielt sich sogar einen winzig kleinen Affen und drei um so ungeschlachtere Hunde Dinge, die wohl ein staunendes Kopfschütteln erregen würden, wenn man nicht wüßte, daß alle Kz's ein Brennspiegel menschlicher Absurditäten sind.
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Wer den alten Bernhard mit seinem Äffchen auf der Schulter durch das Dachauer Lager spazieren sah, begleitet von den riesigen Köternein Häftling zwar, aber Vertrauter bei allen öffentlichen und geheimen Schändlichkeiten der SS. der mußte unwillkürlich an einen betagten, verschlagen listigen Kolkraben denken, so witterte seine krumme Hakennase mit der zurückfliehenden Mund- und Kinnpartie ewig mißtrauisch oder nach Beute spähend in der Luft herum. Widerlich anzusehen waren auch seine versteckten Augen, die wimperlos in die bläuliche Gesichtshaut eingesetzt waren.
Natürlich fehlte es dem Manne in Flossenbürg an der von Dachau her gewohnten Bequemlichkeit und Bevorzugung. Und ein Charakter wie der seine mußte irgendwelche Enttäuschung zwangsläufig auf die Mithäftlinge abladen, die ihm in Berts Stube nunmehr unterstanden.
Im Freien draußen tobte sich der Winter weiter nach Herzenslust aus. Der Frost überschlug sich förmlich. Er ließ das Thermometer bis auf 40° C fallen. Alle Fenster waren mit breiten, grotesken Eisblumen dicht mattiert. Da die Zufuhr von Kohle oder Holz völlig ausblieb, wurden die aus dem Elferblock mitgebrachten Strohsäcke verfeuert.... Das alte, verlotterte Stroh gab eine fabelhafte Wärme ab. Fast den ganzen Tag über stand der eiserne Kanonenofen in heftiger Rotglut.
Dicht davor saß mit nacktem Oberkörper, anzusehen wie der grimme Hagen auf den Pilotyschen Bildern zur Nibelungensage, der alte Bernhard und räkelte sich unter den Fingern eines Masseurs aus dem Kreise seiner Untergebenen. Zugleich ließ er sich von den Schmeichlern, die ihn aus guten Gründen umstanden, irgendwelche faustdicken Lügen ins Ohr flüstern
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ganz
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