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Wut und Haß, wie Bert es in Erinnerung hatte, eine geradezu feierliche Inbrunst der Züge.
Eine Stunde später bereits drückte ihm Bert die für immer erloschenen Augen zu.
QUARANTÄNE.
Aber die Epidemie wütete weiter. Schon wenige Tage nach der Rückkehr Berts in den Zehnerblock reichte der Platz im Seuchenlazarett hicht mehr aus. Dr. Hick- meyer mußte seinen Spannkräften geradezu Übermensch- liches abverlangen, er, der früher nie für einen Kranken oder Verletzten die Hand hätte rühren dürfen. Jetzt aber, wo die Lagerleitung eine katastrophale Bloß- stellung vor den Sanitätsbehörden in Berlin befürchtete, durfte er souverän schalten und walten.... Er ließ in aller Eile eine der bewohnten Baracken, die elfte, räumen und die Insassen auf die anderen roten Blöcke verteilen.
‘ Dadurch bekam die Stube Berts, in der schon gegen hundert Mann ziemlich gedrängt beisammen hausten, noch einen Zuwachs von 60 Mann, darunter viel wüste Gesellen aus Norddeutschland. Das wäre noch aus- zuhalten gewesen, doch der Block erhielt auch einen besonders üblen Stubenältesten in Gestalt des ‚alten Bernhards‘, ein Typ, den kein ehemaliger ‚Dachauer‘ jemals vergessen wird— aus sehr triftigen Gründen.
Er war ein betagter Mann, zwischen 60 und 79 Jahren bereits, aber mit einem Körper von eiserner Zähigkeit, ein alter Raubmörder im Rückfalle, der aus freien Stücken verzichtet hatte, jemals aus dem Kz entlassen zu werden, vielmehr für immer darin verbleiben wollte, wo so vieles seinen Instinkten entsprach.... Er war übrigens der einzige ‚Grüne‘, der mit den roten Blocks von Dachau abmarschieren mußte.


