-
178
-
-
ihrem Lager in den Qualen der Fieberglut. Aus ihren Augen sprach jähe, wilde Angst, als würden sie sich noch intensiver als andere Sterbliche an das bißchen Leben klammern was bewegte sie dazu? War denn ihr elendes Dasein wirklich diese Sorge um seinen Fortbestand wert? Oder werden vielleicht die Menschen nur deshalb überhaupt zu Verbrechern, weil sie dem Irdischen mit seinen Lockungen doppelt so eng verbunden sind, ein Vielfaches so drastisch dank ihrer stärkeren Triebhaftigkeit als wirklich Gefestigte? Sie, die von atemringender Sterbequal verzerrten Lebewesen, über denen die Todesfluten bald zusammenschlagen.
*
Unter solchen Umständen kam das Jahresende heran. Irgendwelche Vergünstigungen, wenn sie etwa zu Sylvester ähnlich wie zu Weihnachten geplant gewesen wären, fielen natürlich nun aus. Die Lagerinsassen, Gesunde wie Kranke, durften ja nichts anderes bekommen als Diätkost, und von der Lagerleitung sah man seit Ausbruch der Quarantäne überhaupt niemand mehr. Unter Gefahr einer Erkrankung das Kz zu betreten, dazu fehlte dem Lagerbiest Aumeyer scheinbar doch der Mut.... Auch kein Lastwagen, kein Lieferant, kein Fremder durfte das Innenlager betreten. Straßen und Wege waren wie ausgestorben. Über dem Ganzen lag die unheimliche Stille der Lähmung, die, Stille eines Friedhofs', um die Worte des Marquis von Posa zu gebrauchen.
Am letzten Abend des Jahres 1939 trat Bert einen Augenblick vor die Tür der Revierbaracke. Es war kurz vor zwölf Uhr. Erstaunlich mild und windstill war die Witterung, als lausche die Luft dem Treiben der Menschen in dieser Stunde... am samtschwarzen Firmament stand ein prachtvoll klarer Sternenhimmel, gleiẞend in seiner funkelnden Pracht... eine Sternschnuppe versank vor Bert in steilem Falle, verlöschte in der Tiefe


