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man sagt, weil das normale Brot des Lagers übermäßig feucht und schlecht ausgebacken war. Für die Kranken, deren Eingeweide, eine einzige Wunde' seien, wie Dr. Hickmeyer erklärte, wäre ungebähtes Brot eine schwere Gefahr gewesen.
Freilich hätte die manuelle Arbeit an sich den beiden Pflegern nichts ausgemacht; denn gegenüber ihrer bisherigen Fronarbeit im Freien war diese hier im Revier das reine Kinderspiel. Aber die Natur der Seuche machte den Krankendienst zur starken Plage. Denn es gab keinen unter den Bettlägerigen, der sich nicht 20-30 mal zum , Thron' schleppen mußte.... Daran war nichts zu beschönigen. Unter heftigem Stöhnen der Armen ging ein wäßriger Stuhl ab, der immer stärker mit Blut durchsetzt war. Die Exkremente hatten den typisch übelsäuerlichen Geruch nach Schwefel- Kohlenstoff, der diesen Erkrankungen eigen ist, ein Geruch, der auf die Dauer dem Gesunden eine konstante Übelkeit verursacht.
Rasch gezimmerte, viereckige Bottiche standen in der Mitte des Raumes und gestatteten je drei Kranken gleichzeitig die Benutzung. Jeweils mußte von den Pflegern eine Handvoll Kalkpulver nachgeschüttet werden. Ferner mußte das Bett des Kranken aufgeschüttelt und nachgesehen werden; denn vielfach konnte der Stuhl, der aus dem Darm krampfartig herausdrängte, nicht mehr gehalten werden. Dann war das Bett. abzuziehen, ein anderer Strohsack aufzulegen, dem Kranken ein neues Hemd überzuziehen, und so ging es weiter alle Stunden hindurch.
Ein Prinz aus dem kaiserlichen Erzhause Habsburgs und ein Generalstabs- Oberst besorgten diesen Samariterdienst die Weltgeschichte wird nicht oft ein gleiches Schauspiel erlebt haben.
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Dabei waren die Armen so geschwächt von den andauernd hohen Temperaturen, daß die meisten nicht mehr allein zum Abort gehen konnten, sondern geführt werden mußten. Ihre Lippen waren ausgedörrt und aufgesprungen. Viele schwere Fälle wanden sich auf
12 Conrady, Amokläufer.


