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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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am meisten gefürchtet hatte das kann und wird zur Rettung von Leib und Seele werden!

Zunächst wurde alle Arbeit, alles Antreten zum Appell unterlassen. Die Häftlinge mußten bis neun Uhr im Bett bleiben die kühnste Phantasie hätte sich vor drei Tagen nicht solch ein Schlaraffenleben vorgestellt. Weiterhin wurden die Thermoskessel mit der Morgen- suppe und der Hauptkost nun in den Vorraum gestellt und dort das Essen ausgegeben, so daß niemand mehr im Freien auf die Ausgabe warten brauchte wäre diese Maßnahme nicht schon längst viel praktischer und humaner gewesen, statt die totmatten Sklaven täglich länger als unbedingt nötig dem Schneesturm auszu- setzen?

Bert freilich ließ die Sorge um das Befinden Franzis keine Ruhe. Er lief immer wieder in das benachbarte Revier hinüber und erbat, da das Betreten der Kranken- räume für nicht dort tätige Häftlinge verboten war, von Dr. Hickmeyer seine Einstellung als Hilfspfleger, zumal das bisherige Personal durch die neue Seuchen- baracke ohnehin stark in Anspruch genommen wurde. Der neue Chefarzt ihm überließ der hilflose Lagerarzt alles unbeschränkt bewilligte nur zu gern seinen Wunsch und so übernahm Bert gemeinsam mit einem zweiten ‚Roten die Krankenstube, in der Franzl mit elf anderen von der Seuche Befallenen lag.

Jener andere Hilfspfleger war Prinz Max von Hohen- berg. Dank seiner in sich gekehrten Natur, die ihn gern still und skeptisch lächelnd zuhören ließ, was andere erzählten, dennoch flink und hingebend im Dienst, war es eine wahre Annehmlichkeit mit ihm in der Wartung der Kranken zusammenzuarbeiten. Allerdings verging der Tag und ein Großteil der Nacht mit der pausen- losen Pflege der Ärmsten, denen der Tod im Gedärm saß.

Die Kost wurde auf Weisung des Arztes auf un- gewürzte Schleimsuppen eingestellt, meist Hafer- und Gerstenschleim, mit Magermilch gekocht und in kleinen Mengen im Tagesverlauf gereicht. Dazu gab es aus- schließlich geröstetes Brot, also ‚gebähte Schnitten, wie