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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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stechender, bohrender, wütender Schmerz im Hirn, ver­zehrendes, glühendes Brennen in den Eingeweiden und rapider Stuhlabgang.

Da stehen sie nun mit dem herbeigetragenen Kranken vor dem halboffenen Fenster des Verbandzimmers und blicken verstohlen hinein: Drinnen waltet im weißen Leinenmantel neben dem linkischen SS.- Junker als Lagerarzt Dr. Hickmeyer, der Internist der Univer­sität Innsbruck , nun auf einmal zu Ehren gekommen, wo die blanke Not es gebietet.... Behutsam klopft Stillfried an das Milchglasfenster, so daß der Dozent aufschaut und sofort den Wunsch der vier begreift, als sein Blick auf den leise stöhnenden Landsmann fällt. Er beugt sich heraus und ruft, nun ganz diri­gierender Arzt:

,, Links in den, B- Flügel' mit ihm- sofortige Auf­nahme!" Das letzte Bett im Raume, das noch frei ist, bekommt Franzl. Die ihn getragen haben, müssen ihre Hände mit Sagrotan- Lösung desinfizieren und dürfen nicht länger verweilen-, Raus, raus mit euch!' Alles ist hochgradig nervös. Bobby, der Reviercapo, schießt herein und heraus wie eine vergiftete Maus.... Wohin aber mit all den noch wartenden Kranken!

Die Lagerläufer rufen in Eile alle Zimmerleute zur Arbeit auf. Im Hetztempo wird eine neue Baracke dicht hinter dem Revier aufgeschlagen und die beiden Holz­bauten mit einem schmalen Durchgang verbunden. Aus den anderen Blocks werden Bettstellen, Strohsäcke, Wäsche geholt und in das neue Revier geschafft, das zum Seuchenspital erhoben wird.... Dr. Hickmeyer leitet alles mit beruhigender Umsicht.

Am Nachmittage aber durchfliegt das Lager die Nachricht, daß auf sein Anraten und mit Zustimmung der Reichs- Sanitätsbehörde telegraphisch die mehr­wöchentliche Quarantäne über Flossenbürg verhängt worden ist... na, herrlich! jubeln die Häftlinge; denn alles andere tritt gegenüber ihrer Plackerei zurück Gott sei Dank! Man überlege: wochenlange Ruhe! Und dies gerade in der Zeit der ärgsten Winterkälte, die man