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Bert bekam einen Vorgeschmack hiervon gleich in seiner nächsten Umgebung- auch der seines Herzens. Denn es begann damit, daß Franzl, sein Freund und ewig froher Gefährte, bei irgendwelchen Vermessungen, die er vorzunehmen hatte, dem Chef des Baubüros ziemlich keck entgegengetreten war, wie es in seiner freimütigen Art lag. Dadurch hatte er sich trotz Seegers Fürsprache, der ihn ungern entbehren wollte, sein gutes Kommando beim Baubüro- einen warmen, behaglichen Posten verscherzt und mußte sogar auf Verlangen des SS.- Architekten zur Strafe Feiertagsarbeit mit Kostentzug leisten.
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Viermal vierundzwanzig Stunden betrug die Strafe nur und dennoch war an jedem Abend der junge, heitere Student wie ausgelöscht nach dem Schleppen der maßlos schweren Thermoskessel auf den steilen Lagerstraßen und vielen anderen angreifenden Arbeiten, für die sonst nur die robustesten Kerle antraten. Er wollte kaum noch etwas Brot verzehren, schlug das Rauchen aus und warf sich nur stöhnend, ohne was zu sprechen, auf sein Lager.... Das ging so alle drei Festtage hindurch zum Leidwesen Berts, der an dem schönen Burschen wie an einem Sohne hing.
Und die paar Tage irrsinniger Anstrengung ohne warme Nahrung im Leib, ohne die gute Kost der Feiertage, hatten genügt, um den noch jugendlichen Körper völlig auszupumpen und einfallen zu lassen.
Schon nahte wieder am 27. Dezember morgens das erste Antreten zur normalen Arbeit. Alle, außer denjenigen Stubengenossen, welche den Zimmerdienst zu besorgen hatten, traten fertig gerüstet ins Freie. Nach den vielen Feierstunden in der warmen Stube sprang ihnen die Kälte des Dunkels entgegen wie ein böses Untier aus dem Bereich erfrorener Welten. Sternen
licht funkelte über den beschneiten Dächern, über den noch unbegangenen Wegen. Feinkörniger Schnee wirbelte um Ohren und Nasen der frierenden Häftlinge.
Da kam plötzlich ein Lagerläufer voll Eile herbei und suchte den Feldwebel des 10. Blockes auf. Gleich darauf


