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geführt, daß auch diejenigen, die keine Angehörigen draußen besaßen und daher nie geschrieben hatten, nun­mehr zwangsweise an gleichgültig wen schreiben mußten, ob nun ihr Brief ankäme oder unbestellbar sei... egal, Hauptsache, man hörte den Amtsschimmel wiehern!

Und so saß am Abend alles über die Tische gebeugt und kritzelte... für viele eine wahre Erlösung aus seelischem Druck, wenngleich sie ihr Herz auch nicht vollauf ausschütten durften, des knappen Raumes und der strengen Zensur wegen.... Aber es bestand doch wenigstens die Aussicht, wieder Antwort und Geld zu bekommen, zu wissen, wie es zu Hause stände- dieses Tusculum, um das die Gedanken der Verschleppten un­ablässig kreisten. Ach, dann konnte man sich wieder eine Zeitung halten und wissen, was in der Welt vor­ging, so wenig die meisten freilich Kraft und Muße zum Lesen hatten. Aus dem gleichen Grunde entbehrte man hier auch nicht die fehlende Bibliothek, der sich in Dachau nahezu jeder in einer Art geistiger Trunksucht angenommen hatte.

Gerade an diesem Tage war wieder ein unsinnig hartes Tagewerk für Stillfried und Bert zu Ende gegangen. Erst hatten sie schwere, fest am Boden angefrorene Feldbahngeleise einige Kilometer weit umhergeschleppt; dann stundenlang Kartoffelsäcke aus den Mieten ein­gefüllt und in die Küche getragen, hernach verschiedene Lastwagen mit Kohlrüben abgeladen und geborgen; schließlich bis zum Abend lange Eisenrohre von respek­tabler Länge und Schwere auf den Schultern heran­geschleppt... dies alles unter einem Schneesturm von solcher Heftigkeit, daß die Träger mit ihren Lasten kaum den Gegenwind bezwingen konnten. Ständig waren die Augen voll geschmolzenem Schnee- und alles hatte im Trab- Trab zu geschehen.

Mit erfrorenen Gliedern und eiskaltem Magen, zum Umfallen matt, standen die Sklaven des Lagers klap­pernd beim Appell, der wiederum kein Ende nehmen wollte, mußten sich erst noch mit Jubelliedern die Kehlen wund schreien und durften dann wie ein köst­