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TOD IM BLOCK.
Schnee über Schnee fiel. Das Lager ersoff förmlich im weißen Flausch. Von oben gesehen, am Rande des Waldes, in dem Bert und sein Kommando wieder zu roden hatte, dehnte sich ringsum nichts als eine ungeheure wellige Fläche von Daunenpolstern, aus denen zur Not noch die schwarzen Dächer der Baracken herausschauten. Der Nordwind fegte erbarmungslos über die erstarrte Erde und warf jede Vertiefung, jeden Mauerwinkel mit Bergen von Schnee zu. Wie ein gläserner Sarg schloß sich das Eis über alles Lebendige. Dabei fiel das Thermometer auf 15-20°, am frühen Morgen noch darunter.
Der bloße Aufenthalt im Freien wurde schon zu einer körperlichen Anstrengung, das geschwinde Laufen und eist recht das Schleppen zu einer Qual- und der ewige Hunger zu einer nagenden Pein. Die meisten konnten sich nicht mehr gerade halten. Sie mußten gekrümmt gehen wie Greise, die sich schon der Erde zuneigen; denn bei aufrechter Haltung erfaßte sie sogleich ein wühlender Magenkrampf... es waren Tage, die das häufige Knallen der Gewehre seitens der Postenkette den Freitod so vieler Verzweifelter nur allzu begreiflich machten.
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Doch zu einer beliebigen Mittagsstunde brachte der Schreiber des Blockes 10 die verblüffende Nachricht vom Rapport zurück, daß nun auch die, Roten' aus Dachau endlich schreiben dürften- und zwar noch am gleichen Abend... auf einmal mußten die Briefe in aller Hast herausgehen, typisch für den allgemeinen Lagerbetrieb. Motiv einer solchen Eile war diesmal, daß zahlreiche Familien der Häftlinge sich an die Reichskanzlei direkt mit Anfragen gewandt hatten, was mit ihren aus Dachau verschleppten Angehörigen geschehen sei, von denen sie seit zwei Monaten nichts mehr gehört hätten.
Daher erging die scharfe Ordre nach Flossenbürg, sofort für das Briefschreiben aller ehemaligen Dachauer zu sorgen. Und echt lagermäßig wurde dies so durch


