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ihn von neuem wütend. Und skrupellos, wie diese innerlich verwahrlosten Burschen aufgewachsen waren, ohne Scheu und Ehrfurcht vor dem Tode, versetzte er dem eben Verschiedenen noch einen markigen Tritt in den Leib, so daß er ein Stück von ihm weg­rutschte zog dann seine Pistole aus dem Gurt und feuerte noch zwei Schuß aus nächster Nähe auf den schon reglos Liegenden ab offenbare Leichen­schändung!

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Als diese Heldentat vollbracht war, ging er mit er­hobener Pistole auf die stumm und verächtlich ihn an­starrenden Häftlinge zu; ging durch die Gasse, die sie ihm freiließen, hindurch und den Ölberg hinab, um sich nie mehr bei Berts Kommando blicken zu lassen... eine Szene, wie sie das so disziplinwütige Flossenbürg wohl noch nie erlebt hatte.

Der dem Toten am nahesten Stehende war Bert. Er kniete bei ihm nieder, erfüllt von dem Schauer, der jeden überkommt, der eben noch einem Mitmenschen, einer mitschwingenden Seele nahe gewesen ist und nun nur noch den leblosen Körper in seiner rasch eintretenden Starre aufheben kann. Das kühne Gesicht des Mannes zeigte deutlich, daß der Todesengel ihn versöhnlich geküẞt hatte; alles durch Gram und Haß Verzerrte war aus ihm gewichen. Der Tod hatte es auf seltsame Weise geadelt.

Aber niemand würde dem Verschiedenen die Augen geschlossen haben, wenn Bert es nicht getan hätte, um den Rest des Lebens respektvoll zu verhüllen. Als er sich dann nach einer Hilfe umsah, kam schon sein Freund Stillfried auf ihn zu und faßte, ohne eine Frage zu stellen, mit an. Zu zweit trugen sie- der Abwechslung halber- keinen toten Fels zu Tal, sondern einen toten Mit­menschen.

es plötzlich unheimlich Jeder von ihnen griff

Den anderen aber schien da oben geworden zu sein. rasch einen Brocken Granit auf und eilte den Berg hinab, als hocke der Tod dort hinter jedem Felsvor­sprung.

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