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Für Bert kam dieser Angriff gleichfalls so bestürzend, daß er und die gesamte Kolonne von Trägern wie fest­genagelt stillstanden. Sie sahen erschrocken, zu welch hemmungslosen Äußerungen ein tief eingefressener Rache­durst treiben kann. Eine Kraft sprang da in dem aus­gemergelten Mann auf, die unter der Pein dieser Tage ohnmächtig am Boden gelegen hatte und nun, wie von einem Sturmwind erfaßt, keine Grenzen mehr kannte.

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Freilich zu einem dauernden Erfolge konnte das biẞ­chen Körperkraft in dem Bergler nicht hinlangen. Nach dem ersten Schock schüttelte der bullenhafte SS.- Mann den Angreifer, der auf ihm kniete, ohne große Mühe ab. Doch während er noch versuchte, nach seiner Pistole zu greifen, knallte schon ein peitschenähnlicher Schuẞ vom nächsten Wachturm herüber und schlug ganz dicht neben Bert ein.... Ein zweiter Schuß folgte dem ersten und traf den Angreifer.

Dessen eben noch wildverzerrtes Antlitz wurde plötz­lich todesernst. Ein tiefer Schatten grub sich unter den Backenknochen ein. Gleich darauf entstellte un­verhüllte Todesfurcht das Gesicht, das völlig blutleer zu sein schien.... Blut dagegen sprang auf aus seiner Herzseite, erst durch die Kleidung quellend, dann in Strömen. Die Hände des Getroffenen verkrallten sich wie die Fänge eines Vogels in der Schlinge. Dann verdrehten sich die braunen Augen. Rot trat in ihr Weißes, Blut rann auch zu den schmalen Mundwinkeln herab, über das ganze bis zur Wildheit männliche Ge­sicht. Noch einmal schlotterten die Glieder wie vom Frost geschüttelt, dann begannen die Züge schon ein­zuschmelzen so schnell war der letzte Lebensfunke aufgezehrt, wie der Zugwind ein Lichtstümpchen aus­löscht.

Der massige Scharführer stand nun wieder aufrecht, ohne daß jemand ihm dabei geholfen hätte oder einer auch nur seine beschmutzte Mütze holen gegangen wäre. Er empfand wohl instinktiv die Verachtung, die ihm von den zuschauenden Häftlingen gezollt wurde. Das machte