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mende Wagenladung, an deren Abladung er sich zu be­teiligen hatte, steckte ein oder biß an Ort und Stelle in hartgefrorene Kohlrüben, Köpfe von Weiß- und Rot­kohl oder schwarzgelbe Mohrrüben, gleichgültig ob der gesundheitlichen Nachteile.

Es war kein Halten mehr. Die Not nahm zu sehr überhand.

Eines Tages, als Bert mit anderen wieder mal Fels­brocken vom Ölberg heruntertragen mußte, traf er jenen resoluten Gebirgler wieder, der bei seiner Aus­peitschung soviel Schneid bewiesen hatte. Der Gesichts­ausdruck des Mannes war noch finsterer geworden als ehedem. Sein krummhakiger Zinken von Nase sprang aus dem abgezehrten Kopf wie der Schnabel eines Raub­vogels vor.

Oben am Ölberg, wo die Steine aufgenommen werden mußten, stand wie gewöhnlich der Kommandoführer und wies jedem den Brocken an, den er zu schleppen hatte. Der Bergler, der vor Bert einherging, tat jedoch, als sähe er den SS. - Mann nicht und bückte sich nach einem beliebigen Felsstück, das gerade vor ihm lag, hob es in die Höhe und wollte sich umwenden, um den Berg wieder herabzusteigen. Seine Lungen keuchten dabei, die Nerven schienen zu vibrieren, etwas Unheimliches bereitete sich in ihm vor.

Im gleichen Augenblick rief ihn der Scharführer an und befahl ihm erbost, einen anderen, fast doppelt so schweren Stein aufzunehmen.... Da schleuderte der Wilddieb seinen Brocken mit allen Zeichen heftigster Wut wieder hin, ballte die frei gewordenen Hände zur Faust seine Augen funkelten wie in einem Ausbruch toller Raserei und, sich nur für den Bruchteil einer Sekunde lang etwas duckend, sprang er den über­raschten Scharführer mit einem einzigen, mächtigen Satze an und riß ihn dadurch zu Boden, obwohl der SS. - Mann ein ausgepolsterter Bursche war.

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11 Conrady, Amokläufer.