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Dämme.... Sonst hatte Bert immer beim Schneetreiben das Gefühl gehabt, als ströme ein köstlicher Friede aus der ruhenden Scholle in ihn über, still und feierlich. Heute wußte er, daß die Wende in der Jahreszeit nur neue, und zwar ausgiebige Plage für ihn bringen werde.
Aber der Winter machte sich leider nichts aus den Besorgnissen der Kz-Insassen. Der Schnee ballte sich in Klumpen an ihre Schuhe, hemmte die Sohle, wenn es gemäß Lagerbefehl zu eilen galt; denn es durfte sich niemand anders als im Laufschritt trab-trab bewegen— ob auf ebenem Wege oder bergauf. Der Wind brauste hinter ihnen her und bewarf sie mit ganzen Schaufeln von Schnee.
Nicht minder ließ der Winter die Erbärmlichkeit der Baracken dieses schäbigen Lagers offenbar werden. Der eisige Hauch des Sturmes drang bis in die Stuben hinein. Bert schlief dicht an der Stirnwand seines Blockes, an die sich außen der angefegte Schnee bis zum Dach hinauf anschmiegte.
Dadurch entstand an der Innenseite der Wand eine wahre Vergletscherung des Holzes, eine fingerdicke Eis- schicht, in deren unmittelbare Nähe Berts Kopf beim Schlafen zu liegen kam.... Nicht viel später froren auch die Fenster zu, froren fest an die Fensterbretter an und tauten des Nachts durch die Wärmeausstrahlung von rund hundert Mann wieder ab, so daß sich aus- gedehnte Seen auf dem Fußboden unterhalb der Fenster bildeten. Wer nachts zum Abort hinaus wollte— und das waren dank der wäßrigen Kost nahezu alle— war jeweils gezwungen, mit den nackten Füßen durch das eisige Schmelzwasser.am Fenster zu waten-- ein Ver- gnügen eigner Art.
Außerdem war die Bettwäsche, da die Klappfenster am Tage offen standen, abends um sechs Uhr, wenn das Schlafengehen befohlen worden war, so feucht und klamm vor Kälte, daß es die Häftlinge, die ja nur ihr zerrissenes, dünnes Hemd anbehalten durften— alles andere hatte im Tagesraum zu verbleiben, was vom Blockteufel streng kontrolliert wurde—, bis ins Mark hinein schauderte,


