-

157­

WINTERSANFANG.

Eine neue schwere Kalamität kam nun, wie schon angedeutet, über die geplagten Insassen von Flossen­bürg: das war der scharfe Frost. Der Frost im Gefolge des anbrechenden Winters.

Jeweils des Nachts erwachte der Sturm. Er brauste über die Hügel und die dürftigen Baracken auf ihren Abhängen. Heulend fuhr er in das Gehölz, daß die Bäume wehklagten und seufzten, Wipfel knickten, Äste krachten und alte, würdige Fichten so laut knarrten, daß es fast wie menschliche Laute bis auf den wind­durchfegten Appellplatz zu hören war.

Am Tage darauf krochen Nebel und Winterahnung aus den Tälern die Berge hinan und legten sich über Wald und Brüche. Die Erfahrenen schnupperten: es rieche nach Schnee. Und wirklich kam er auch alsbald. Zuerst ein harter, schneidender Wind und mit ihm ver­dickte Haufenwolken. Dann ein leichter, spielerischer Regen zuerst als Präludium....

Unzählige Stürze ereigneten sich beim Gehen, als es gleich darauf zu frieren begann: ein furchtbares Glatteis war auf Schritt und Tritt anzutreffen und hierzu die

-

plumpen Pantinen, die man am besten in die Hand ge­nommen hätte. Hernach kamen die ersten, noch ziem­lich wäßrigen Flocken, gleich den zeitigen Faltern des Lenzes.... Dann aber folgten die richtigen, gesternten Flocken mit ihrem munteren Wirbeltanz und schließlich das stille, erhabene Niederwallen, bis die lebendige Natur bedeckt war von der stärker gewordenen Natur des Todes.

-

-

Und tagelang, nächtelang, unaufhörlich fiel der Schnee immer weiter in schweren, großen Flocken. Nur noch ein paarmal machte sich der Wind auf, wollte sein Spiel treiben und Schanzen bauen

-

Bert und seine Freunde schauten mit eigenen Gefühlen dem Wirbeltanz der Flocken zu. Die Welt, soweit sie für den Häftling in Betracht kam, lag verschüttet in Unmassen von Schnee. Überall haushohe Wälle und