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allein gehen lassen mußte; wieder nur eine Minute sie flüchtig sehen konnte statt sie zu umschließen und nicht mehr von sich zu lassen... eine wilde Sehnsucht nach den Seinen nahm von ihm Besitz. Es war dieselbe Sehn­sucht wie die Wotans im, Ring':, Eins nur will ich noch das Ende, das Ende!'

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Am Abend saß er in einer Ecke des Tagesraums, übermüdet und überwältigt von seinem Heimweh und starrte vor sich hin... bis Stillfried, der seinen Löffel ins Spind zurücklegen wollte, an ihm vorbei kam und ihm seine Hand auf die Schulter legte, dabei leise sagend:

, Rührt das von der Begegnung am heutigen Vor­mittag her hm?"

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Überrascht sah ihn Bert an. ,, Hast du mich denn beobachtet?" fragte er scheu zurück.

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,, Na ich habe wohl alles gesehen, glaube ich! Schwachheit, möchte ich sagen, dein Name war in diesem Falle nicht Weib! Und deshalb bin ich der Meinung...

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Bert wehrte ab, müde und zerrissen. ,, Ach, laß doch lieber, ich bin aller Dinge hier so grenzenlos überdrüssig, es ist mir alles gleich

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,, Halt brr und die Zügel angezogen!" warnte nun Stillfried mit erhobenem Finger. ,, Gemach, mein Lieber, Gleichgültigkeit gibt alles preis, Gleichgültigkeit ist das furchtbare Zeichen sinkender Kraft.... Das wirst du dir als alter Soldat nicht sagen lassen oder ja?"

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,, Nein", seufzte Bert und erhob sich ,,, obgleich man Nerven wie Treibriemen haben muß! Und ich kann so schwer etwas verbergen oder vortäuschen, verstehst

du...

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,, Aber geh", lächelte Stillfried in seiner dezenten Art. ,, Man muß im Leben gelegentlich irreführen können, sonst wird es ja noch unausstehlicher als es für gewöhn­lich schon ist!"

Das Eingeständnis des Freundes brachte auch Bert zum Lächeln und in der Folge über den, toten Punkt', wie er es nannte, hinweg.