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jemals dem gegenwärtigen Schicksal zu entgehen, abzulesen war.
Aber beide waren so klug, diesmal nicht aufeinander zuzustreben, so allmächtig auch das Verlangen in ihnen danach wach wurde... Heute gab sie ihm nur ein letztes Zeichen als Abschiedsgruß. Sie legte alles Ausdruckvermögen, dessen sie fähig war, in diese eine Geste, mit der sie ihn zum Schluß ihres Wiedersehens beschwörte: Halte aus halte Geliebter! Geduld aus, ist noch größer als Leiden, Geduld ist schwerer als der Mut zum Angriff... tue es mir zuliebe, auf daß deine Schwester und ich ruhig sein können
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Er gelobte es mit einem Nicken und Lächeln und emporgehobenen Händen... ,, Lebe wohl, Herz meines Herzens!" sprach er dabei halblaut vor sich hin- und glaubte, aus dem freudigen Glanz ihrer Augen entnehmen zu können, sie habe ihn verstanden. Noch einmal ein kurzes Winken mit der Hand zum Abschied und ihre Gestalt entschwand seinem Blick. Wann, wann wird er sie wiedersehen?
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Es war aber ein Glück für Bert, daß der Scharführer in Gedanken versunken seine Pfeife rauchte und vor sich hin starrte. Und zwar nicht nur der Begegnung von ferne wegen, sondern auch des Baumstubbens halber. Denn der tückische, sperrige Kloben war inzwischen, als Bert stehen geblieben war, nicht ordnungsmäßig auf den tiefer gelegenen Stapelplatz für das Brennholz zugerollt, sondern hatte seinen Weg seitwärts genommen und sich im Stacheldraht des Lagerzaunes verfangen.
Froh des erneuten Wiedersehens mit dem erstaunlichen Mädchen lachte Bert über den, krummen Weg', den sein Stubben eingeschlagen hatte, so bedenklich die Lage für ihn auch war, wenn ein anderer Aufseher sie bemerkt hätte oder gar der Capo Knör in Reichweite gewesen wäre.... Was kümmerte es ihn, daß er sich die Finger beim Freimachen des Holzes an den Stacheln wund riẞ und das rinnende Blut ablecken mußte mangels eines Verbandstoffes-?
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Ach, schoß es voll Sehnsucht in ihm auf, daß er sie


