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nicht gut, verlor die Nerven völlig, was schließlich bei einem Manne seines Alters nur zu begreiflich war.
Nach ihm wechselte das Szenenbild vollkommen. Das nächste Opfer war ein Mordslackel von Kerl, ein ‚Grüner‘, den Bert schon wiederholt gesehen hatte, ein Großsprecher sondergleichen.... Hier aber benahm er sich so kläglich wie nur möglich, heulte laut auf, als der Rapportführer ihn rief, warf sich buchstäblich dem Lagerbiest zu Füßen, so daß Aumeyer mit dem Rücken gegen den Feigling vorlas: ‚15 Hiebe.“
Gleich darauf packten ihn zwei der stärksten Schar- führer, bogen seine Arme nach rückwärts und preßten ihn auf den Tisch. Kaum klatschte aber der erste Hieb auf sein Sitzfleisch, so gellte sein Schmerzensschrei auf wie der eines kleinen Kindes und ruhte nicht, bis der letzte Hieb gesessen hatte. Da er natürlich auch alles Zählen unterließ, fielen die 15 Hiebe ziemlich reichlich aus.
Für Aumeyer war diese Exekution jedoch die er- giebigste; man sah es dem perversen Zug um seine Lippen an, wie sehr er sie auszukosten verstanden hatte..... Für die Häftlinge interessanter dagegen war der fünfte Mann in der Reihe: ein schlanker Bursch mit braunem, hagerem Antlitz. Die Strafe lautete eben- falls auf 15 Hiebe, unverständlich blieb für Bert die Begründung.
Doch kaum war der Bescheid gefallen, als aus dem Burschen eine wahre Flut von Verwünschungen sich über seine Peiniger ergoß. Es ging wie ein glühender Lava- strom von dem Manne aus. Seine Züge waren geradezu entstellt vor Verachtung für die Schergen um ihn, während er seinen Ausbruch in einem Paroxysmus der Leidenschaft dahinjagte..... Bert riß es förmlich herum an seinem Platz, um den unerschrockenen Kerl zu beobachten.
Auf einen Wink Aumeyers stürzten sich gleich vier Scharführer auf ihn. Aber den ersten Ansturm parierte der erstaunlich sehnige Bursch mit wahrer Eleganz, indem er die Fäuste, die ihn schon gepackt hielten, mit


