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einem einzigen markigen Ruck von sich abschüttelte und für den Augenblick wieder frei dastand.
Mit einer herrischen Gebärde rief er aus: ,, Auslass'n sag i'! I' geh alloi', mi' braucht's nöt z'holt'n!"
Ein Oberbayer also, Sennhirte vielleicht oder Waldmensch, vermutlich rückfälliger Wilddieb, und seines freien Lebens in den Bergen noch eingedenk. Er machte noch eine kräftige Bewegung mit dem Nacken, grad wie ein Zugstier, der sich schüttelt; dann war er mit ein paar schnellen Schritten am Prügeltisch und legte sich von selbst über die Kante. Jeden Hieb zählte er mit lauter, fester Stimme mit, ganz ähnlich der Haltung Berts. Der hätte ihm am liebsten die Hand gedrückt.
Doch der Raubvogelblick Aumeyers hatte bemerkt, daß Bert sich für die Vorgänge hinter seinem Rücken interessiert und mehrmals umgewandt hatte.... Unzufrieden, wie er mit der letzten Bastonade ohnehin war, krähte er plötzlich: ,, Ah so! Unsern Herrn Oberst fesselt wohl das sehr, was hier vorgeht, was? Ja natürlich, wenn man vom Nachrichtendienst ist, läßt sich das verstehen... aber Sie können Gelegenheit haben, nochmals die Sache von nahem zu besehn_"
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Der bewußte Wink an seine Schergen und Bert wurde erneut gepackt, zum Tisch geschleppt, und diesmal war es, da die anderen verschnauften, der Rapportführer selber, der dem Delinquenten noch zwei saftige Hiebe überzog.- Nebenbei bemerkt: demselben Arbeitsdienstführer Schirner, sonst ein Rohling sondergleichen, sei zugute gehalten, daß er unter den Lagersklaven von Flossenbürg den Träger einer der gefeiertsten Stimmen Deutschlands entdeckte und ihm in Anerkennung seiner hohen Kunst zu einem gelinden Posten verhalf, durch den seine Stimmbänder geschont wurden: Heinrich Schlusnus , der späterhin im Block I seinen Mithäftlingen manchen trübseligen Abend durch seinen begnadeten Bariton und seinen meisterhaften Vortrag verschönte.
Dann gab sich Aumeyer zufrieden und wandte sich


