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apotheke, die ein invalider, Grüner' zu verwalten hatte. Für die Mentalität des Lagers war es bezeichnend, daß ein Spezialarzt wie Hickmeyer natürlich keinen Handgriff in der Krankenpflege tun durfte, ja nicht einmal dem Revier nahekommen sollte. Mit dem, Grünen' hier draußen, der höchstens einen Notverband ungeschickt anbringen konnte, hatte sich Hickmeyer jedoch schon gut verständigt, so daß der Invalide froh war, an ihm bei Unfällen eine medizinische Hilfe zu haben.
Nun reinigte der Arzt die Hände Berts rasch mit Karbollösung vom sandigen Schmutz und verband sie kunstgerecht. Dadurch verging nahezu eine Stunde des Ausruhens. Hernach hieß es, sich nach einer besseren Arbeit umschauen; denn das Abschleppen von Felsbrocken ließ sich ja mit verbundenen Händen nicht durchführen... wieder ging Hickmeyer beiden Kameraden voran in der Suche, nur ließ sich eben im Steinbruch nicht so leicht etwas Besseres finden.
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Das Beste, was sich ergab, war noch das Tragen der behauenen Steine, also der Bordschwellen, Türschwellen, Fensterborde aus Granit, vom Steinmetz zum Transportplatz und zwar jeweils zu viert, wobei ein kleines, grob gezimmertes Tragbrett mit vier Griffen auf die Schulter gehoben werden mußte. Hierbei konnten die drei anderen einen Geschwächten beim Tragen etwas entlasten oder die Schulter konnte durch ein Taschentuch ein wenig abgepolstert werden... das alles war also schon eine gewisse Annehmlichkeit gegenüber der barbarischen Arbeit bisher, zumal hier der Gang auf ebenem Gelände erfolgte und in langsamem Schritt ohne besondere Treiberei... also ließ sich immerhin mal etwas Atem holen, gottlob!
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Wirklich gelang es den Bitten Hickmeyers, die Freunde in eine Tragkolonne einzuschmuggeln. Natürlich nicht Täubler und Bert in ein Karree, dazu waren die Größenverhältnisse zu verschieden, sondern in getrennte Gruppen, aber das war ja unbedeutend. Man war vor allen Dingen untergekommen, dem Inferno dort am Rand des Steinbruches entronnen und


