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die Achseln. Täubler war es, der ihn dort erwartete. Freilich war sein kurzes Verweilen nur dadurch möglich, daß der Aufsichtsführer sich zufällig mit einem vorüber­kommenden Genossen unterhielt.... Begütigend klopfte Täubler dem Leidensgefährten auf die Schulter. Er spürte wohl, wie es mit dessen Kräften bestellt war. Bert aber sah und hörte nichts. Er brachte auch kein Wort hervor, keinen Laut der Klage. Er hob nur mechanisch die Hände zu den Schläfen empor, als sitze hinter ihnen ein nicht zu nennendes Weh. Dadurch blieb das Blut der Finger auch im Gesicht kleben und entstellte ihn noch mehr, als seine verzerrten Züge es ohnehin schon taten. Erschrocken sah sich der breite Mann, der ihn stützte, nach Hilfe um so ging es doch nicht weiter!

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Da kam, wo sonst jedermann ihn als Antwort nur ausgelacht, vertrieben und geschlagen hätte, eine uner­wartete Hilfe: ein weiterer Häftling, zwar auch nur ein Sklave hier, aber durch das Lagerleben erfahren und großherzigen Sinnes, der Dozent für innere Medizin an der Universität Innsbruck , Dr. Hickmeyer, jetzt Schrei­ber in dem kleinen Büro des Steinbruches, ging zufällig vorbei, sah den Zustand Berts mit den klaren Augen des Klinikersund erfaßte im Moment die günstige Situation, die sich durch die Ablenkung des Aufsehers ergab.

Er nahm flink beide Kameraden am Ärmel und zog sie mit imperativer Geste mit sich fort, in Richtung auf die bescheidene Hütte, in der er zu schreiben hatte. Zwar begegnete ihnen ein Scharführer, in der Hand den schlagbereiten Knüppel aber alle drei machten eine so ordnungsmäßige Ehrenbezeugung mit Mienen, die das beste Gewissen der Welt zu bekunden schienen, daß sie unangefochten passierten. Es sah eben so aus, als ob der Schreiber sie auf höheren Befehl zu einer Aus­kunft in den Schuppen holte.

Neben Dr. Hickmeyers winziger Schreibstube befand sich in einem Winkel, gemeinsam mit den Zündapparaten für die Sprengungen des Felsens, auch eine Art Haus­