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Auf halber Höhe stand der alte Hofrat Streitmann aus Wien , an einen Felsen angelehnt, graugelb im Ge­sicht, das verzerrt war, die Hand auf das Herz gepreßt, keuchenden Atems kein Wunder, dachte sich Bert, bei einem solchen Raubbau der Kräfte! Sie selbst kamen endlich oben schnaufend an, ohne ein Wort miteinander gewechselt zu haben. Der Scharführer vor ihnen deutete mit der Stockspitze auf einen mächtigen Brocken, der unter den anderen Felstrümmern lag... Täubler sprang rasch vor, als er sah, daß für Berts Statur dieses Gewicht zu bedeutend wäre, packte an und schwang mit seinen Bärenkräften den Fels auf die Schulter, als wäre er von Lebkuchenteig gemacht.

Den nächsten Block hatte nun Bert zu nehmen. Viel Auswahl befand sich an der Stelle nicht mehr. Gern hätte Bert fürs erste Mal ein mittelgroßes Stück genom­men, das seinen Kräften angepaßt gewesen wäre. Aber der Scharführer, der ihn schon sich bücken sah, deutete mit boshaftem Grinsen auf einen klobigen, fast runden Brocken, der wohl seine zwei Zentner wiegen mochte.

Es schien völlig ausgeschlossen, daß ein Mensch von Berts Statur und Übung eine solche Last auf den schlüpfrigen Stufen bergab schleppen könne. Dennoch packte er willig an, brachte den Fels mit allen Kräften und gespreizten Beinen auch bis zur Kniehöhe, doch ent­glitt von da das übergroße Gewicht wieder seinen Händen und fiel zu Boden. Dabei rissen die scharfen Kanten des Granits mitsamt dem feuchten Sand der Grund­fläche ihm Finger und Handfläche blutig.

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Ein schwaches Stöhnen drang aus seiner Brust, als er sich wieder aufrichtete. Aber da riẞ dem Scharführer die Geduld. Aus Zorn, daß durch diesen Mann die ganze Kolonne ins Stocken kam allerdings nur durch seine eigene Unvernunft sprang er mit einem Satz von seinem kleinen Felssockel herunter und auf Bert zu, schwang seinen Knüppel aus dem zähen Holz einer aus­gegrabenen Baumwurzel und ließ ihn dem Häftling auf den ungeschützten Rücken, Nacken, Hals sausen, immer wieder ein Hagel von Hieben, bis er aufschnaufend