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gute Weile schaffte er so mit bestem Willen weiter, aber stets in jener Verkrampfung des Körpers, wie es die ungewohnte Arbeit mit sich brachte... bis der Aufseher ihm plötzlich die Schaufel aus der Hand riß und sie mit gespielter Empörung beiseite warf. Am liebsten hätte er sie wohl— so tat er wenigstens— an Berts Kopf zer- schmettert. Sofort tat der liebedienerische Capo bei Täubler desgleichen.
„Schert euch weg, ihr verschimmeltes Dörrgemüse!“ brüllte der Scharführer mit einer Stimme, als ob ein ganzes Regiment zu befehligen sei. ‚‚Das ist ja nicht zum ansehen mit euch! Marsch, runter vom Abraum.... dort unten werdet ihr Steine tragen! Und dabei laufen wie die Wiesel, das laßt euch raten! Daß ich euch nicht nochmals beim Faulenzen erwische...:.“
Er deutete auf eine Kolonne von Häftlingen, die mit Felsbrocken von ansehnlichem Umfange beladen von oben kamen und vorsichtig die ausgetretenen Lehm- stufen des Pfades herabschritten, um ihre Last nicht zu verlieren. Unten angekommen, warfen sie die Steine auf einen Haufen neben dem Verladeplatz ab.... Aber kaum von der Last befreit, mußten sie wieder umkehren und im Laufschritt— trab-trab— den Berg hinanhasten. Ein Scharführer stand beim Abladen, eine Reihe von eifrigen Capos auf der Bergstrecke verteilt und oben wiederum ein Scharführer, alle mit handfesten Knüppeln versehen..... sie sorgten dafür, daß das Tempo sich keinen Augenblick verlangsame.
Die weise Mäßigung, wie sie sich in der Ordensregel des hl. Benedikts ausspricht: ‚Alles aber geschehe der Schwachen wegen mit Maß‘! kannte man hier leider nicht. Dafür hat dieser Weise freilich auch schon 1500 Jahre vor unserer glorreichen Zeit gelebt——
Ohne sich weiter umzuschauen, damit nicht neues Unheil entstände, eilten beide Kameraden nun der Kette von Trägern zu, die einen Anblick bot, wie vor Jahr- tausenden wohl eine Karawane von Sklaven beim Bau der großen Pyramiden in der Wüste Ägyptens —— seit Äonen die gleiche Vergewaltigung der Menschenkraft!
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