ET RETTET
Pr
Be
ben.... Ist nicht auch der Kuß das Bestreben, in der im.uigsten Weise am Lebenshauch des andern gegenseitig teilnehmen zu lassen? So ist Gottes Wille, daß wir durch das wechselseitige Aus- und Einatmen der gleichen Luft Gemeinschaft pflegen. Seit ich mir das zum Bewußtsein gebracht habe, stehe ich mit einer gewissen Freude— trotz natürlicher Hemmungen— in dieser Gemeinschaftsverbundenheit.... Im ganzen muß ich sagen: Ich bin im Tiefsten froh und unbekümmert, da ich mein Schicksal ganz in Gottes Hand gegeben habe. Was sollte ich da fürchten?— Langeweile habe ich nie, da ich so viel Beschäftigung habe, daß der Tag kaum aus- reicht. Meine Sorgen gehen dabei nicht zuletzt auf die Zukunft unseres Volkes. Dafür zu leiden, bin ich gerne bereit; doch hoffe ich, auch noch dafür arbeiten zu können.“
An Silvester 1943 berichtet er aus Brandenburg , dem Lager der Tod- geweihten, wohin er 8 Tage nach seiner Verurteilung transportiert wor- den war:
„Nun ist es ein halbes Jahr, daß ich keine heilige Messe mehr feiern durfte, Auch an Weihnachten waren wir ausgeschlossen, doch habe ich hinter der Zellentür eine evangelische Weihnachtsandacht mitgemacht und habe feste mitgesungen.— Una Sancta!— Ich bin froh, daß ich mich geistig be- schäftigen darf, wenn auch das Schreiben in Fesseln schwer ist und dem Leser wohl kaum Freude macht.... Zum neuen Jahr dachte ich in der Silvesternacht für mich und für Euch:
„So heb’ ich’s an in Gottes Namen,
das Jahr, das die Entscheidung bringt. Ich sag’ im voraus schon mein Amen
zu dem, was Deinem Rat entspringt.
Was gut, was bös für mich— für alle— verbargst Du unserm Unverstand.
Doch Segen ist in jedem Falle, was Deine Weisheit uns erfand. So magst Du den Kalender schreiben für uns, die wir in Deiner Hut! Laß nur in Deiner Gnad’ uns bleiben! Was„Vater“ Du uns fügst, ist gut.“
In den Januartagen bewegte ihn besonders das Schicksal seines Vater- ‘ landes. In seinem übervollen Herzen verdichieten sich seine Gefühle zu
folgenden Versen:
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