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Sieger in Fesseln : Christuszeugnisse aus Lagern und Gefängnissen / herausgegeben von Konrad Hofmann, Reinhold Schneider, Erik Wolf
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GELEITWORT

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Die hier vereinigten Zeugnisse von Bekennern beider Konfessionen

wollen als ein Ganzes, in der Einheit des Geistes, verstanden werden. Das gemeinsame Anliegen dieser Männer und Frauen ist vielleicht be. schlossen in den Worten Ludwig Steils ,, weg von mir, hin zu Christus". Ein Streben, nicht ein Vollkommensein, prägt sich in diesen Dokumenten aus, aber ein Streben der höchsten Art, dessen Vollendung im Tode liegt. Gegen alle Widerstände des Fleisches, gegen alle weltliche Bedrohung, Angst und Not nähern sich diese Männer und Frauen dem Herrn; in dem Maße, in dem sie ihm näher kommen, werden sie einig, ohne voneinander zu wissen. Ihre Wege sind so angelegt, daß sie sich begegnen müssen im Herrn, sie können, sie müssen einig werden, so treu sie zu ihren Bekennt­nissen stehen, so sicher die Kraft ihres Bekenntnisses gerade auch die Kraft ihres Leidens, ihrer Zeugenschaft ist. Es ist ergreifend, zu sehen, wie sie in der tiefsten Einsamkeit der Gefangenschaft aufeinander zu­eilen; wie das höchste Leben, das ewig eins ist, sie an sich zieht und stark macht. Das Gespräch der Bekenntnisse, das wir so inständig wünschen, wird hier nicht mehr ausgetragen, offenbar ist es nicht mehr geboten. Es gibt eine Einheit über alles Begreifen: das Übermächtigwerden von Christus, das Verlangen zu sterben in Ihm und dieses Sterben selbst. Hier nähern wir uns gewissermaßen der Krypta, die den geteilten Kirchenraum trägt: dem einen heiligen Raum, dem alle verpflichtet sind.

Die Ehrfurcht vor diesem Raume verbietet es uns, die Zeugnisse uns dienst­bar zu machen, wie es so leicht geschehen könnte. Sie sollen nicht dienen, uns zu verteidigen oder wieder zu Ansehen zu bringen; vielmehr klagen sie uns an. Wir hätten handeln und leiden sollen wie diese Männer und Frauen; was aber mußte in der Welt alles geschehen und versäumt wor­den sein, ehe es zu diesem Leiden kam! Nicht zu rasch sollten wir uns darüber beruhigen, daß es nicht möglich war, die Wahrheit zu sagen, die Liebe zu bezeugen, Gottes Gebot zu erfüllen, ohne in tödlichen Gegensatz zur Staatsmacht zu geraten. Die Klage der Kirche um ihre Heiligen währt, solange die Kirche besteht: ,, Ihrer war die Welt nicht wert", sagt der Apostel( Hebr. 11, 38). Wehe uns, daß wir ihrer nicht wert waren, daß

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