Die Lichter all ersterben, Schon naht die grause Nacht. Soll also ich verderben? Hält keiner ob mir Wacht? Die Sonne mag vergehen, Es bleibt Dein ewig Licht. Mag alle Welt verwehen, Du, Herr, verläßt mich nicht. Kyrie eleison!
Am 14. Oktober wurde über Dr. Metzger vor dem berüchtigten Volksge- richtshof verhandelt. Er bekannte von sich aus alles, was er in der Sache des Friedens getan hatte, so daß es gar keines Belastungszeugen bedurfte. Die Teilnahme an geheimen Putschplänen zu einem Attentat auf Hitler hatte er immer abgelehnt, sondern ihm offen entgegentreten wollen, um ihn so von seiner Ehrlichkeit und Ungefährlichkeit zu überzeugen. So hatte er an ihn ein persönliches Schreiben abgefaßt und nur auf dringendstes Widerraten seiner Freunde nicht abgesandt, worin er mit unerhörtem Freimut den unheilvollen„Führer“ zum Rücktritt aufforderte, um die schlimmste Katastrophe abzuwenden. Sogar von diesem nichtabge- gangenen Schreiben gab Dr. Metzger in der entscheidenden Gerichtsver- handlung selber Kenntnis. Auch sein Plädoyer vor der Fällung des Urteils- spruches wollte er selbst halten und mit letzter Freimütigkeit sprechen. Doch er bekam keine Gelegenheit dazu. Kaum hatte er begonnen, die Ge- danken der„Una Sancta‘“ darzulegen, schnitt ihm der Vorsitzende Freis- ler das Wort ab:„Una Sancta, una sanctissima!— Una— una— das sind Wir! Sonst gibt es nichts!“ Das Urteil stand von vornherein fest: „Wegen Vorbereitung zum Hochverrat des Todes schuldig.“ In der ge- lassenen Ruhe des Philosophen, die man sonst bei ihm nicht gewohnt war, nahm er das Urteil an. Mit Ketten an den Händen, auf dem Rücken ge- fesselt, tröstet er die bestürzten Freunde, die ihn vor der Abführung noch einmal sprechen dürfen:„Nun ist es geschehen. Ich bin ganz ruhig. Ich habe mein Leben Gott angeboten für den Frieden der Welt und die Ein- heit der Kirche. Gott hat es angenommen, und das freut mich. Die da drinnen sind doch nur seine Werkzeuge. Wenn er mir aber noch weiter das Leben schenkt(ein„Gnadengesuch“ wurde vom Vertreter seines Bischofs in Freiburg in Aussicht gestellt), dann bin ich auch dankbar. Wie Gott will! Sagt allen Brüdern und Schwestern einen letzten Gruß, und seid nicht traurig. Das Christkönigsfest(am letzten Sonntag im Okto- ber) wird diesmal etwas schwer werden. Aber singt trotzdem Alleluja und
bleibt eurem König Christus treu.“ 153


