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seitiger Achtung näher als andere. Ich fand in ihm einen Charakter, der vornehm und gerecht urteilte und gute Kameradschaft pflegte— ich möchte meinen, in ihm wirkt unbewußt etwas weiter von christlicher Er- ziehung vieler Jahrhunderte deutscher Geschichte, Ja ich möchte irgendwie einen solchen Menschen mehr zur Gemeinde Christi rechnen als so viele Ge- taufte, deren Seele unberührt geblieben ist vom heiligen Pneuma Christi. Ich habe nicht das Recht, über das jenseitige Schicksal eines Menschen zu urteilen. Jedenfalls ist es mein Glaube, daß„verloren‘‘ im eigentlichen Sinn, zur„Hölle“ bestimmt nur ist, wer wider seine Gewissensüberzeu- gung stand. Wieviel„Christen“ sind da freilich schlechter daran als die„Heiden“. Nein, wenn ich mich geistig vereinsamt fühle in dieser „Gemeinschaft“(trotzdem ich glaube, mich an guter Kameradschaft mit allen von keinem andern übertreffen zu lassen), so deshalb, weil das ganze Denken und Leben fast aller Kameraden um‘ die primitiven Dinge des Trieblebens kreist— was wir Christen nicht verwerfen, solange es sich an den Gesetzen des Schöpfers orientiert— und daß das Ethos des Evangeliums den Allermeisten ganz fremd geworden ist. Ich las einmal das erschütternde Buch des Amtsarztes Hoffmann in Stuttgart über den Geburtenrückgang— hier kann ich mich überzeugen, wie richtig er die Diagnose des tatsächlichen(sexual-) ethischen Standes unseres Volkes stellt. Auch in unserem Volk ist eine sittliche Entwurzelung Tatsache ge- worden, vor der man erschauert. Und wenn ich nach den Gründen forsche, so sind es wohl vor allem zwei, wie ich gerade hier wieder feststellen kann: die geistige Leere, die nie das beglückende Erlebnis der Frohen Botschaft hatte, und die Verhaftung an den narkotischen Genuß. Die bei- den Dinge hängen wesentlich zusammen. Dem Genußmenschen geht das Organ ab für die tieferen Freuden des„Geistes“, und andererseits führt die Inhalts-, Sinn- und Ziellosigkeit des Lebens ohne Glauben dazu, sich dem greifbaren Genuß zu ergeben und ihm alles zu opfern. Ja, ich habe in dieser„Welt“ meinen Glauben nicht bedroht gefunden, sondern erfuhr aufs neue ihn als Kraft und Gnade. Je mehr ich über alles nachdenke, um so klarer wird mir wieder, daß im letzten Grund alles Leben sinnlos wird ohne ihn und alles einen letzten tiefen Sinn erhält von ihm. So bin ich meines Glaubens wieder neu froh geworden. Möchtet auch Ihr alle täglich daraus Kraft und Segen beziehen! Dominus vobiscum!“
Am 11.September 1943 wurde er in Einzelhaft nach Plötzensee gebracht und berichtet über die Änderung der Verhältnisse:
„Außerlich gesehen, ging es in der Prinz-Albrecht-Straße leichter; aber die stille Einzelzelle hier tut mir wohl; ich„genieße“ die Stille als Offen-
barung. Gottlob liegt die Zelle auf der Sonnenseite mit dem Blick auf den
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