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Sieger in Fesseln : Christuszeugnisse aus Lagern und Gefängnissen / herausgegeben von Konrad Hofmann, Reinhold Schneider, Erik Wolf
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Block, und auf einem Teil der Blocks mit geraden Zahlen ist es bis jetzt trotzdem gelungen, die Läusegefahr und damit die Typhusfälle zurückzu­dämmen und auf eine verhältnismäßig kleine Zahl von Todesopfern zu be­schränken. Es ist aber furchtbar schwer. Ständige Wachsamkeit. Dauernde Entlausungen. Immer wieder Selbstkontrolle, und wenn es geht, saubere Wäsche. Das ist überhaupt das Hauptproblem. Und an dem beginnt auch unser Kampf zu scheitern. Im Lager gibt es keine Wäsche mehr. Unzählig viele haben schon drei bis vier Monate das gleiche Hemd an. Die Läuse nehmen immer zu. Gegenmittel sind keine da. Der Hunger hat auch wie­der furchtbar eingesetzt. Fast keine Verbindung mehr mit außen. Viele der Opfer sind schon von Kräften vor der Ansteckung. Dann werden sie infiziert.

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,, Eine Laus dein Tod!" Überall, in 11 Sprachen haben wir diese Plakate angebracht, die zur Wachsamkeit mahnen; aber es ist kein Gegenmittel. Ganze Blocks sind verseucht, sind abgesperrt. Und da drinnen hat schon längst das große Sterben begonnen. Nur zwei Beispiele. Ein Block mit 1600 Mann belegt, zählt nach einem Monat Flecktyphus noch 400 Mann. Ein anderer Block, der zudem Invalidenblock ist, ist mit seiner Belegschaft von 1500 Mann ganz ausgestorben. Das Revier ist überfüllt von Kranken. Pfleger und Ärzte Häftlinge natürlich sterben fortgesetzt. Auf den überfüllten Blocks liegen Typhuskranke, Sterbende, Tote und noch Ge­sunde durcheinander. In's Gefolge des ,, schwarzen Reiters" tritt sein Ge­selle, der Reiter auf dem ,, fahlen Roẞ" und mordet in Massen. Die täg­liche Sterbeziffer beläuft sich im Durchschnitt auf 150 Mann und öfters auch darüber. Die Masse der Toten beträgt seit dem Ausbruch der Seuche .bis jetzt über 10 000 Mann. Der ,, fahle Reiter" versteht sein Handwerk gut und scheint unbarmherzig und unersättlich.

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Mit dem Verbrennen der Leichen kommt man im Krematorium nicht mehr nach. So bleiben die Leichen liegen, auf den Blockstraßen aufgeschichtet, wo alle, Kranke und Gesunde, ständig vorbei müssen. Nach und nach wer­den die Leichen abgeholt und zum Verbrennen weggeschafft. Immer neue Wagen voll von toten nackten Menschen fahren hinaus. Aber schon liegen wieder neue da. Im Revier, in der Totenkammer, in den Blocks, im Kre­matorium liegen die Leichen aufgeschichtet. Und aus dem Kamin des Feuer­ofens steigt Tag und Nacht ein dicker Rauch empor, und der Geruch von verbrannten Leichen liegt ständig wie ein Nebelschwaden auf dem Lager, auf der Totenstadt. Jetzt aber gehen die Kohlen aus. Es entsteht ein Mas­sengrab. Es ist ein großes Sterben. Es hört nicht auf. Es ist grausam. Es ist ein ungeheures Elend, dieses Sterben und dieses Leben in unserer Totenstadt!

,, Herr, wie lange noch?" Das ist die bange Frage, die immer wieder auf­

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