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Sieger in Fesseln : Christuszeugnisse aus Lagern und Gefängnissen / herausgegeben von Konrad Hofmann, Reinhold Schneider, Erik Wolf
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Wege, die nur Kraft kosten. Wenn ich wieder zu Dir komme, wird Gott uns einige Zeit der Stille und der Zweisamkeit schenken in der Geborgen­heit seines Friedens. Ich habe mir die 75 Glieder unserer beiden Familien aufgeschrieben, um täglich namentlich an sie zu denken. Da fehlt mir an Namen... Gib mir doch diese Namen an. Ich bin auf den Bericht von Deinem Besuch in Düsseldorf sehr gespannt. Du bist jetzt außer allem anderen auch noch mein einziges Guckloch in die Welt.

6. Oktober

Diese Nacht hörte ich ein wonniges Konzert, als säße ich daheim am Schallplattenschrank. Jeder Ton war klar. Die Pariser Orgel von Notre­Dame spielte Bachs ,, Christ lag in Todesbanden ", der Berliner Domchor sang: ,, Befiehl Du deine Wege", der Londoner Jungenssopran schmet­terte: ,, Be not afraid". Es folgte Beethovens ,, Et incarnatus est" und Bachs ,, Wenn Trost und Hilf", dazu Händels ,, Dank sei dir, Herr", bis ich müde wurde vor Glück und Heimweh. Diese Klänge strömten aus dem Gedächtnis bis in die letzte Feinheit hervor, unverlierbar. Bitte, nimm Dir auch einmal eine solche Stunde, wo Du Deinen Sessel an den Apparat heranrückst.

7. Oktober

Gestern abend, Freitag, ab 20.30 Uhr, waren wir eine Stunde in der Hölle oder doch mindestens im Feuerofen, aber der Heiland war mit drin. Er erhörte unser Flehen. Es ist mir noch wie ein Wunder. Nach dem Angriff, als ringsum alles brannte, konnten wir in den Keller gehen, wo der Qualm nicht so sehr beizte wie oben. Da gab es dann mit vielen Gespräche des Trostes und der Aufrichtung. Gegen Mitternacht waren wir dann wieder oben, lobten Gott und gingen unter dem Knistern der Flammen, dem Stürzen der Mauern, dem Krachen der Zeitzünder zur Ruhe. Du wirst bei Deinem Wäschebringen mehr des Grauens gesehen haben als ich. Ich habe Dich mit meinen Gebeten begleitet hin und her.

8. Oktober

Noch jetzt, 40 Stunden nach dem Angriff, gehen rings fern und nah die Zeitzünder hoch. Unser Fenster verlor auch das letzte Glas, Licht und Wasser fehlen sehr, aber Trinkwasser gibt's, Gott sei Dank. Die heutige Erbsensuppe war anscheinend außer dem Hause gekocht; sie schmeckte vorzüglich. Anschließend teilten wir drei eine prachtvolle große Birne als Nachtisch.

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