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ein ganz klein wenig froh mache. Solche erste genauere Kunde aus einer so ganz neuen Lebenslage konnte Dir(besser noch als das gesprochene Wort fast) sagen, wie unsere Ehe jetzt ganz darin ruht, daß jedes das andere und sich selbst geborgen weiß in Gottes Hand. Du hast es gewiß viel schwerer als ich, aber Du hast die Gemeinde und den Dienst des Trostamtes in ihr, das ist eine köstliche Hilfe.— Ich sandte Brigitte als Einschub in ihr Abendgebet die Zeilen:„Mach Mutter stark und Vater frei, bis wir zusammen alle drei in Holsterhausen wieder Dir bringen Dank und Lieder.“
3. Oktober
Heute bekam ich zu meiner Freude Losung und Senfkornbibel ausgehän- digt. Ich las alle Losungen seit 11. September, da war’s ein Kalender der Güte und des Ernstes Gottes. Nun haben wir doch täglich zwei Sternlein, die uns beiden Freude machen. Den Gefährten las ich gleich die Bile- amsgeschichte 4. Mose 22 ff. vor, als Anfang einer kursorischen Lesung aus prophetischem Wort. Großartig! Aus Stauffer besprechen wir täglich nachmittags zwei bis drei Abschnitte und haben viel davon. Wenn Du W. Fr. von mir grüßest, dann schreibe ihm, dies Buch bewähre sich sehr unter dem Kreuz.— Schreibe mir den Vers:„Die Hoffnung wart’t...“ mal auf, ich kriege ihn nicht mehr zusammen. Und frage bei den Frauen N., Sch., Th. nach ihren Männern, Ich gedenke ihrer täglich vor Gott .
5. Oktober
Eben beim Essen erfreute mich die schöne Zeichnung eines Lorbeerblattes in meiner Suppe. Ich ließ es auf dem Rand des Napfes liegen, während ich aß, und staunte über die Verästelung der Rippen und die vollendete Form. So erinnert uns Gott auch in einer Umgebung, in der alles fehlt, „was lieblich istund wohllautet‘“, an die Schönheiten seines Reiches. Es hat mir noch an keinem Tage an Grund zum Danken gefehlt. Wenn ich jetzt abends schon um 18 Uhr der Dunkelheit wegen mein Lager auf dem Boden bereite, um 12 Stunden darauf zu liegen, freue ich mich schon aufs Aufstehen; aber auch die langen Stunden des Wachseins zwi-
schen kurzen Strecken Schlafs sind voller Erquickung.„Dennsoman
auf dich harrt, das macht deinen Kindern offenbar, wie süß du seist“(Weish. 16, 21).
Gestern hatte ich Gelegenheit zu erfahren, daß ich gar nichts tun kann,
um Sprecherlaubnis für Dich zu bekommen. Das ist mir leid, und wenn ich Dich auch bitte, die Sache dringlich zu beantragen, so liegt mir doch viel daran, daß Du Dir keine vergebliche Mühe machst und keine unnützen
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