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Sieger in Fesseln : Christuszeugnisse aus Lagern und Gefängnissen / herausgegeben von Konrad Hofmann, Reinhold Schneider, Erik Wolf
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,, ER VERBIRGT MICH HEIMLICH IN SEINEM GEZELT"

Mein jüngster Sohn, Pastor Helmut Hesse, und ich wurden am 8. Juni 1943 verhaftet. Am Sonntag Exaudi morgens hatte ich das Bombardement auf Barmen als ein Gericht Gottes bezeichnet, und nachmittags waren wir in einer Bekenntnisversammlung für die Bekehrung der Juden zu dem Herrn Christus eingetreten. Helmut hatte die entscheidenden Sätze aus dem Zeugnis zu den Judenverfolgungen verlesen, das zu Ostern 1943 von bayerischen Ältesten an Landesbischof D. Meiser überreicht werden sollte. Ein Verhör fand zunächst nicht statt. Wir wurden in Einzelzellen abgeführt; dabei sagte der leitende Beamte des Polizeipräsidiums: ,, Euch Schweine müßte man an die Wand stellen!" So saßen wir allein, vier Stock­werke voneinander getrennt, ohne jede Beschäftigung und ohne jedes Buch, auch ohne unsere Bibel.

Es mußte nun Klarheit darüber werden, ob wir bereit seien, um des Zeug­nisses Christi willen uns an die Wand stellen zu lassen. Unter dieser Frage entstand eine wunderbar gesegnete Stille. Ich bemühte mich, mir ins Ge­dächtnis zu rufen, was ich vom ersten bis zum letzten Blatt der Heiligen Schrift wußte, und ließ meinem Sohn sagen, er möchte das Gleiche tun. Er antwortete mit der Bitte, ich solle ihm aufschreiben, was ich von der Bibel wisse. Ich hatte zunächst weder Papier noch Bleistift, aber es wurde ,, organisiert", und so konnten fünf Monate hindurch Mitteilungen von Zelle zu Zelle gehen. Es wurden einzelne biblische Bücher durchgenommen und teils in ausführlicher Inhaltsangabe, teils in wörtlichen Zitaten, teils in kurzen Grundlinien dargelegt. Allmählich entstand auf kleinen Zetteln eine Art Bibelkunde. Wir freuten uns dankbar all dessen, was wir aus der Bibel wußten, schämten uns aber auch dessen tief, was wir nicht wuẞ­ten. Wir lernten den Hunger nach Gottes Wort wie nie zuvor kennen und uns über jedes Stücklein vom Brot des Lebens königlich freuen. Als wir dann endlich nach einem Vierteljahr wieder Bibel und Grundtext in die Hand bekamen, haben wir den Psalmisten verstanden, der sich über Got­tes Wort freut wie einer, der eine große Beute kriegt( Ps. 119, 162). Unser Sohn hatte beim Arbeitsdienst durch Stehen im Wasser seine Ge­sundheit verloren und wurde seit April 1940 auf gestörte Drüsentätigkeit behandelt. In schwerkrankem Zustand war er nun in die Haft gekommen.

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