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Sieger in Fesseln : Christuszeugnisse aus Lagern und Gefängnissen / herausgegeben von Konrad Hofmann, Reinhold Schneider, Erik Wolf
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Im Gefängnis fehlten ihm alle Einspritzungen und Medikamente, und an Stelle der sorgsamen nütterlichen Betreuung trat eine ausgesprochene Hungerkost. Alle Bitten um Aufnahme in ein Krankenhaus schlugen fehl. Dazu machte Helmut im Gefängnis eine tiefe geistliche Krisis durch. Sie zerbrach ihn innerlich völlig und versetzte ihn zugleich in die Freude über die Vergebung der Sünden im Sinne des 32. Psalmes, wie ich sie während meines mehr als vierzigjährigen Dienstes in der Gemeinde nie so kennengelernt habe. Wir konnten uns, nachdem mein Sohn Kalfaktor ge­worden war, öfter sprechen. An unserer geistlichen Gemeinschaft fehlte nur noch die Gemeinschaft am Tisch des Herrn, und auch sie ist uns noch in der Abschiedsnacht von Barmen zuteil geworden. Eines Tages hörte ich die Melodie eines unserer Psalmen pfeifen. Das war mein Helmut. Ich war 1937 schon einmal im Elberfelder Polizeigefängnis gewesen und hatte mich dort mit meinem inzwischen gefallenen Freunde, Pastor Hermann Ziegler, durch Pfeifen von Psalmen und Gesängen verständigen können. So machte es nun auch mein Sohn. Wir haben auf diese Art täglich dreimal eine geist­liche Verbindung miteinander gehabt. Helmut begann morgens nach dem Morgenkaffee, nach dem Mittagessen und nach dem Abendbrot, und ich ant­wortete ihm mit denselben Melodien. Es hat nie einen Tag während dieser Haft gegeben, an dem nicht der Ton des Lobens und Dankens den ersten Platz eingenommen hätte, auch wenn es hindurch ging durch tiefe Seufzer der Not. Nur selten wurde dieses regelmäßige Pfeifen über den Hof von einem Beamten verboten. Wohl aber ertönte manchmal auch aus einer an­deren Zelle noch die gleiche Melodie und sagte uns, daß es sich wie in Phi­lippi erfüllte: ,, Und es hörten sie die Gefangenen"( Apg.16,25). Soweit es die Gefängnishaft zuließ, gab es auch, vor allem morgens beim Waschen, Verbindung mit anderen Gefangenen. Ich vergesse nicht einen Juden aus Velbert, der jeden Morgen darauf wartete, daß ich ihm ein Gotteswort sagte, und der einmal das Matthäus- Evangelium mit seinen vie­len Rückblicken auf das prophetische Wort mit frohem Eifer und Inter­esse gelesen hat. Oder ich denke an Kommunisten, die schon im Lager ge­wesen waren, und durch die Helmut wertvolle Winke für unsere spätere Lagerzeit erhielt. Sie waren sehr hilfsbereit, ließen freilich das Gespräch nicht über eine gewisse Grenze ihrer Ideologie hinausgehen. Mit Helmut denke ich auch an einen nationalsozialistischen Schuster aus Solingen , der uns manche Hilfe leistete und später ebenfalls nach Dachau kam, von da aber mit einem ,, Invalidentransport" nach Lublin befördert wurde; er wird kaum mehr am Leben sein.

Anklage war gegen uns vor allem von offizieller kirchlicher Seite erhoben worden wegen Übertretung des Himmler - Erlasses durch die Visitation und durch die Ordination meines Sohnes. Aber die Anklage, die bis ans Innen­

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