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Nur vierzehn Tage : ein Tatsachenbericht / Walter Schumann
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liegen wie in den vorhergehenden Nächten. Allerdings war in dieser Nacht wieder Zugang zu erwarten: Transport von Oberndorf und Betrunkene. Ich wußte jetzt Bescheid und konnte die anderen aufklären, wie früher Rößler mich. Doch ich hatte mit meiner Vorhersage unrecht, diesmal kam niemand mehr in unsere Zelle.

Am nächsten Morgen wurde ich wieder mit den Polen herausgerufen. Also auch am Sonntag arbeiten. An sich war ich lieber draußen in der frischen Luft. Aber ich brauchte Arbeitskleidung. Die Sachen, die ich an­hatte, wären selbst in gesegneten Friedenszeiten zu schade gewesen, um auf dem Bauplatz heruntergerissen zu werden. Jetzt, wo überhaupt kein Ersatz mehr zu beschaffen war, bedeutete das Arbeiten in ihnen ein Hohn auf die Kriegsforderung, Sachwerte zu erhalten. Taube und den anderen gut geklei­deten Deutschen ging es natürlich ebenso wie mir. Ich hatte deshalb schon am Vortag mit ihnen gesprochen, daß wir alles versuchen wollten, um die Genehmigung zu erhalten, so schnell wie möglich unseren Angehörigen mit­zuteilen, sie möchten uns Arbeitskleidung bringen, falls wir auch weiterhin zu dieser Arbeit ausrücken müßten. Auch der freundliche Polizeimeister draußen auf dem Bauplatz hatte uns das nahegelegt.

Schon am Vorabend hatte ich die Gelegenheit hierzu wahrgenommen und den diensthabenden mitfühlenden Wachtmeister gebeten, er möge mir Gelegenheit geben, meiner Frau wegen Arbeitskleidung zu schreiben. Be­dauernd erklärte er mir, was ich schon wußte: das kann nur der Oberleut­nant gestatten und ich muß ihn selbst fragen. ,, Wann aber komme ich dazu?", erwiderte ich. Morgen ist Sonntag, da läßt er sich nicht sehen. Und am Montag früh kann man mich schon wieder zur Arbeit wegholen. Wie soll ich ihn da fragen können?" Er zuckte die Schultern und wußte auch keinen Rat.

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Das war, wie gesagt, der Anständigste und Freundlichste von allen. Jener Beamte, der am Sonntag morgen zur Arbeit herausrief, ließ weniger mit sich reden. Als wir unser Anliegen wegen der Kleidung vorbringen wollten, schnitt er uns gleich patzig das Wort ab: das ginge ihn nichts an; wir stän­den auf der Liste und hätten zur Arbeit auszurücken. ,, In dieser Klei­dung?", wagte ich noch in ironischem Ton zu bemerken. Hierauf schrie er mich an: Ein anständiger Mensch benimmt sich draußen eben so, daß er nicht ins Gefängnis kommt."

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Da ist jedes weitere Wort sinnlos. Das sind keine Menschen, die fühlen

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