Kleidung. Die anderen mußten meist mit Schubkarren Schlacken herbeifahren oder sonstige grob- schmutzige Arbeit machen.
Der Zugwachtmeister, der jedem die Arbeit anwies, war die Seele von allem und wohl auch der Einzige hier, der etwas vom Barackenbau verstand. Unermüdlich lief er hin und her, nahm hier Maß, prüfte dort und zeigte vor allem seinen drei Lieblingen, den Polen aus meiner Zelle, wo sie mit Hammer und Säge ansetzen mußten. Er gehörte zu den Vorgesetzten, die mitreißen, nicht antreiben. Das freilich kann nur einer, der als Mensch und als Fachmann Vorbild ist, wie er es war.
Hätten wir die Herren aus dem Gefängnis hier zur Aufsicht gehabt, dann wären wir alle nur mit Schimpfen und Schlägen unablässig zur Arbeit angehalten worden. Ich glaube aber nicht, daß bei einem solchen Vorgehen die Baracken früher fertig geworden wären. Man hätte nur die Fleißigen verärgert, die Faulen hinterlistig und widerspenstig gemacht und die Rachsüchtigen zu Sabotagehandlungen veranlaßt, vor allem aber: die Wut auf den deutschen Polizeigeist weiter gesteigert und dem Ansehen unseres deutschen Vaterlandes draußen noch mehr geschadet, als es leider schon geschehen ist. Diesen Nachteil hätten niemals ein paar gewonnene Arbeitstage aufgewogen, die man vielleicht mit der Knute herausgeschunden hätte.
Es wurde bis zum Dunkelwerden gearbeitet. Vor dem Abmarsch ließ der Zugwachtmeister noch einen großen Sack mit Äpfeln an die Gefangenen verteilen. Jeder durfte sich die Taschen füllen. Ich weiß nicht, wo er dieses Obst aufgetrieben hat, ob sie ihm eine mitleidige Seele für die Gefangenen geschenkt hatte oder ob die Wachposten gar selbst Geld dafür ausgegeben haben. Es waren zwar nicht gerade die besten Äpfel, aber die Gefangenen stürzten sich mit einer Gier darauf, wie Verdurstende auf Wasser. Obst und andere vitaminhaltige Sachen bekamen sie ja sonst kaum.
Im Gefängnis hatte heute abend der menschliche, sympathische Wachtmeister Dienst. Er schaltete sogleich das Licht ein, als wir eintraten und ließ uns reichlich Zeit zum Rasieren. Es war ja Samstag heute, der Tag, an dem die Wochenbärte entfernt werden.
Die Zahl der Zelleninsassen hatte um einige abgenommen. Auch Dreher, der lästige Vielschwätzer, war weggebracht worden, angeblich ist er der Wehrmacht zugeteilt worden. Wenn ich mich recht entsinne, waren wir an jenem Abend nur noch zwölf Mann, immerhin noch eine Überfülle für diese Zelle, aber wir brauchten doch nicht mehr in der quetschenden Enge zu
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