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Nur vierzehn Tage : ein Tatsachenbericht / Walter Schumann
Entstehung
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DIE VERHAFTUNG

,, Herr Schumann, hier ist ein Herr, der Sie sprechen möchte."

Mit diesen Worten rief man mich vom Arbeitsplatz des Betriebes in Magstadt weg, für den ich nun schon viele Jahre arbeite. Es war noch am frühen Morgen, kaum daß die Arbeit begonnen hatte.

Vor mir stand ein Mann mit scharfem, durchdringendem Blick. Sein Ge­sicht war aber nicht unsympathisch. Ja, es lag etwas Vertrauenerweckendes in ihm, trotz der strengen Augen. Er mochte etwa Mitte Dreißig alt sein. Ich hielt ihn für einen Kunden; sie nahmen manchmal die unbequeme Bahnfahrt nach Magstadt auf sich, um wegen bevorzugter Lieferung vorzu­sprechen. Ahnungslos und dienstbeflissen stellte ich mich vor. Der Andere blieb kühl. Leise sagte er, er käme von der Polizei und müsse einige Fragen an mich richten.

,, Bitteschön."

,, Nicht hier, Sie müssen mit aufs Rathaus kommen." ,, Bitte."

دو

Was kann dieser Mensch von mir wollen, überlegte ich, während ich mei­nen Arbeitskittel mit dem Wintermantel vertauschte.

Unten vor der Tür stand ein Personenwagen mit Fahrer. Mein Begleiter forderte mich auf, einzusteigen. Ich fragte ihn, ob ich die paar Schritte zum Rathaus zu Fuß folgen dürfe, denn es sähe ja gerade wie eine Festnahme aus, wenn ich jetzt in den Wagen mit dem Kennzeichen Polizei" steigen müßte. Sicherlich wurde, der Vorgang von allen Fenstern beobachtet. Er lehnte ab. Ich mußte mitfahren.

Auf dem Rathaus, wo mich jeder kannte, begegnete ich überall erstaun­ten Gesichtern. Bedauern las ich in den meisten Augen. Man wußte hier, daß meine beiden Begleiter von der gefürchteten Gestapo waren.

Der Mann, der mich aus dem Geschäft geholt hatte, führte mich in ein mir unbekanntes Zimmer im oberen Stockwerk des Rathauses. Wir setzten uns. Er holte Bleistift und Papier und nahm meine Personalien auf. Dann begann er das Gespräch.

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