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Nur vierzehn Tage : ein Tatsachenbericht / Walter Schumann
Entstehung
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Sie werden sich wundern, was ich von Ihnen will. Ja, allerdings.

Er blickte mir eine Zeitlang scharf in die Augen und fragte dann plötz- lich:Wo haben Sie die ausländischen Nachrichten her?

Ausländische Nachrichten....? Ich erhalte keine ausländischen Nach- richten.

Doch! Ich weiß es genau!, sagte er scharf und bestimmt.

Dann wissen Sie mehr als ich. An meinem Rundfunkgerät ist seit vie- len Monaten eine wichtige Röhre defekt. Ich kann keinen Ersatz bekommen und muß seitdem auf den Rundfunk verzichten. Schon deshalb ist jeder Verdacht, daß ich ausländische Sender höre, haltlos.

Daß Ihr Rundfunkgerät gestört ist, weiß ich bereits. Aber Sie werden doch laufend über ausländische Sendungen unterrichtet.

Ich war sprachlos. Hier mußte eine niederträchtige Verleumdung vor- liegen.

Nach einer Pause, während der er in einem vor mir liegenden Schriftstück las, fragte er:Wer sagt Ihnen im Geschäft immer die, neuesten Nach- richten?

Ich nannte verschiedene Herren, die ich frühmorgens fragte, was die Abendmeldungen gebracht haben, weil die Zeitungen bei uns auf dem Lande alle Nachrichten erst später brachten.

Was sagte Ihnen zum Beispiel Prof. K.?

Jetzt wußte ich, wo es hinausging. Prof. K. arbeitete in einem anderen Gebäude des Unternehmens und hatte mir wiederholt durch das Haustele- fon Berichte über die Kriegslage gegeben. Er war immer besser unterrichtet, als alle anderen. Kein Zweifel, man hatte ihn angezeigt. So sollte ich jetzt dazu beitragen, den Mann ins Zuchthaus zu bringen.

Ich legte dem Untersuchungsbeamten dar, daß mir Prof. K. nur Nach- richten mitteilte, die ich dann in der Zeitung gelesen habe.

Er glaubte es mir nicht, schrie mich an, ich solle mich nicht so unwissend stellen. Als er merkte, daß er nichts von mir herausbekommen konnte, er- klärte er, ich sei vorläufig polizeilich festgenommen und müsse mit nach Stuttgart .

Darf ich meine Frau von hier aus noch telefonisch benachrichtigen? Nein, das wird von uns gemacht.

Mag kommen, was da will, ich werde nichts aussagen, dachte ich, als ich

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