und denken, das sind Polizeibeamte. Wer hier im Gefängnis sitzt, ist bei ihnen ein Verbrecher; und wenn er auf jener Liste steht, die Gott weiß was für ein Bürokrat zusammengestellt hat, dann muß er arbeiten.
Hätte es ein unglücklicher Zufall gewollt, daß ich im Smoking verhaftet und hier in das Gefängnis gebracht worden wäre oder in Begräbniskleidung, wer wagt zu bezweifeln, daß diese Leute hier mich auch dann ohne jedes Bedenken so, wie ich war, zur Arbeit geschickt hätten?
Und heute regnete es. Nicht gerade wenig. Ein häßliches, naẞkaltes Wetter. Noch bevor wir die Straßenbahn bestiegen, waren wir völlig durchnäßt. Man sah es den armen Kerlen, die keine Mäntel hatten, an, wie sie in ihren Lumpen froren. Einige zitterten richtig.
Draußen auf dem Bauplatz begann aber erst der ganze Jammer für sie, als sie mit ihrem schlechten Schuhwerk, teils sogar in Halbschuhen, über den tief aufgeweichten Ackerboden gehen mußten. Wir alle, die wir keine hohen Stiefel hatten, wie die Wachmannschaften und ihre Vorgesetzten. mußten uns erst überwinden, bevor wir den Platz betraten. Es war kein Laufen mehr, es war ein Vorwärtsrutschen und Vorwärtsquälen. Dicke Lehmklumpen klebten an unseren Füßen. Es hatte keinen Wert mehr, sich vorzusehen, daß die langen Hosen nicht beschmutzt wurden. Der Dreck klebte gar bald an beiden Hosenbeinen weit herauf. Man konnte nur darauf achten, daß man bei dem glitschigen Boden nicht ausrutschte und hinfiel.
Dér Versuch, bei diesem Dreck und Regen arbeiten zu lassen, mußte bald wieder aufgegeben werden. Es war ein Novemberwetter, wie man es sich nicht schlechter vorstellen kann. Wir saßen in unserer verqualmten Bretterbude, streckten abwechselnd Hände und Füße über das Feuer und warteten auf den Abend.
,, Schöner Sonntag heute", sagte der vorbeigehende Polizeimeister zu mir, als ich mit einigen anderen vor die Tür trat, weil es wegen des beißenden Rauches drinnen auf die Dauer auch nicht auszuhalten war. Man merkte seinem Gesicht an, daß auch er lieber daheim in der warmen Stube bei seiner Familie gewesen wäre.
,, Haben Sie jetzt wegen Arbeitskleidung schreiben dürfen?", fragte er noch interessiert. Wir erzählten ihm, wie es uns am Morgen im Gefängnis ergangen war.„ Bald werden unsere guten Sachen auch so mitgenommen sein, wie die der anderen", sagte ich noch und bat ihn, er möge uns gestatten, von hier aus unseren Frauen zu schreiben.
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