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Nur vierzehn Tage : ein Tatsachenbericht / Walter Schumann
Entstehung
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ging es von neuem los, ohne daß er über meine Bemerkung beleidigt war. Nein, es war unmöglich, diesen Menschen zum Schweigen zu bringen. Wahrscheinlich hätte nicht einmal rohe Gewalt auf die Dauer geholfen. Das hatte ich noch nicht erlebt. Rettungslos waren wir ihm ausgeliefert. Eine erhebliche Strafverschärfung. Es war, wie wenn man gezwungen wäre, einen endlosen Film mit immer neuen, zusammenhanglosen Handlungen ohne Unterbrechung anzusehen, stundenlang, tagelang. Zuerst fesselt es noch einigermaßen, dann bekommt man Kopfschmerzen, möchte wegsehen, da­vonlaufen und kann nicht.

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Es blieb mir schließlich nichts anderes übrig, als mich in einer Ecke auf den Fußboden zu setzen und beide Ohren mit den Händen fest und deutlich

zuzuhalten.

Bei diesem kräftigen pausenlosen Redeschwall kam der zartbesaitete Jentsch naturgemäß von Anfang an mit seinem Lamentieren ins Hintertref­fen. Er saß die ganze Zeit über auf der Bank, legte seinen Kopf in der bei ihm bereits charakteristisch gewordenen Art auf den Tisch, einen Arm als Unterlage benutzend, und weinte still vor sich hin. Sein eigener Jammer verschloß ihn so wenigstens vor Drehers Geschwätz.

Dieser arme Jentsch war nun auch schon bereits vier Tage bei uns, ohne daß jemand von der Gestapo nach ihm gefragt hatte. Wir schrieben Don­nerstag, den 25. November. Acht Tage waren es jetzt, daß B. mich in Mag­ stadt geholt hatte. Schnell war diese Woche vergangen. Und doch, so mußte ich denken, was habe ich in dieser Woche nicht alles erlebt!

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Am schlimmsten ist es natürlich für die Frau daheim. Wahrscheinlich wird sie in ihrem Jammer und ihrer Aufregung von Pontius zu Pilatus laufen, sich an alle in Betracht kommenden Stellen wenden, damit ich frei komme. Hat natürlich alles keinen Wert. Wer setzt sich draußen schon für mich ein, da ich kein Parteimitglied bin und mit meiner Familie immer still für mich gelebt habe. Und wenn einer schon wollte, die Gestapo läßt sich in ihren Maßnahmen von niemand draußen hineinreden. Die einzige Hoff­nung bleibt Sch. Auch von B. habe ich ja nun das sichere Gefühl, daß er mir gewogen ist. Aber entscheiden können sie beide über meinen Fall nicht, dazu sind sie zu kleine Beamte. Gott weiß, wer sich noch alles mit meinen Akten beschäftigen wird. Es braucht unter diesen Herren nur so ein hoch­näsiger ehemaliger Offizier zu sein, der sich mit meiner verächtlichen Be­merkung über die Kommißköpfe persönlich gekränkt fühlt, so daß er sagt,

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