und uns einzureden, daß es eigentlich alles Irrtümer der Justiz waren, wie er sich besonders vor mir bemühte, der seiner Kleidung entsprechende feine Mann zu sein. Ein gewohnheitsmäßiger Schwindler und gefährlicher Hochstapler!
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Ausführlich erzählte er uns dann, wie er vor dem Kriege die Polizei, die nach ihm fahndete, fast ein ganzes Jahr lang an der Nase herumgeführt hatte; immer, wenn sie ihn fassen wollte, war er verschwunden. Als Handelsvertreter, der irgendwelche Waren an Lebensmittelgeschäfte auf eigene Rechnung verkaufte, fuhr er damals mit seinem Kraftfahrzeug von Ort zu Ort in ganz Deutschland umher, wobei er sich in den Hotels mit falschem Namen einschrieb. Wenn sich gerade günstige Gelegenheit gab, hatte er auch den Anmeldezettel später mit raschem Griff wieder an sich genommen. Die Polizei tat alles, um ihn zu finden. Sie beobachtete seine Wohnung in Cannstatt , verhörte seine Freundin, mit der er immer wieder zusammenkam, suchte seinen Wagen festzuhalten, als sie erfahren hatte, daß er sich in einer Reparaturstätte befand. Doch immer, wenn sie den Vogel fassen wollte, war er davongeflogen. Das alles erzählte er uns mit sichtlicher Freude. Schließlich aber hat die Polizei ihn doch in die Finger bekommen.
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Hätte der Mann sich mit dem Erzählen seiner eigenen Straftaten zufrieden gegeben, wäre es noch angegangen. Aber die Hoffnung, sein unermüdliches Mundwerk würde aus Mangel an Redestoff verstummen, erwies sich als trügerisch. Er berichtete anschließend ebenso lang und breit über Mitgefangene, die er in den verschiedenen Strafanstalten kennen gelernt hatte, erzählte, daß er einmal einige Wochen mit einem zum Tode Verurteilten in einer Zelle war und schilderte mit behaglicher Kleinmalerei die Qualen der Todesangst, die dieser arme Sünder durchgemacht hatte, wobei die Hälfte wohl von Dreher dazu erfunden war. Dann behauptete er, heute Morgen seien in Stuttgart achtunddreißig Menschen hingerichtet worden. Er habe von seiner Zelle aus gehört, wie sie geschrieen hätten und wie die Hinrichtungsmaschine gearbeitet habe, sozusagen am laufenden Band. Und er machte uns, wie ein Teufel, der Gefallen daran hat, das Geräusch vor, das er jedesmal vernommen haben wollte, bis der Kopf rollte. Ein ekelhafter Kerl! Die Polen , die von der Arbeit zurückkamen, kannten ihn auch bereits von früher. Sie machten gleich beim Eintreten hinter seinem Rücken den Mund weit auf und zu, um damit anzudeuten, daß er ein erbärmlicher Schwätzer und Großsprecher sei, was wir zu unserem Leidwesen bereits gemerkt hatten,
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