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lige Kritik an den Maßnahmen Hitlers bei der Stalingrad - Niederlage wissen, die in Magstadt an meiner Arbeitsstätte von bestimmter Seite laut ausgesprochen worden war. Ich gab auch hier zunächst eine ausweichende Antwort, und als er wieder scharf zu werden versuchte, sagte ich offen, damals sei alles über die Stalingradsache erregt gewesen; er wisse wahrscheinlich selbst am besten, wie fast ein jeder mehr oder weniger vorsichtig seinem Herzen Luft gemacht habe.„ Wenn Sie", so sagte ich am Schluß,„, wegen einer solchen Äußerung jetzt nach fast einem Jahr einen Familienvater ins Zuchthaus bringen wollen, dann dürfen Sie von mir nicht erwarten, daß ich dazu beitrage."
Auch das hatte gezogen. Er ließ nun von mir ab und rief ein Schreibfräulein, dem er in meiner Gegenwart ein endgültiges Protokoll über meine Vernehmung in die Maschine diktierte. Scharf achtete ich auf jedes Wort, bereit, sofort einzuspringen, wenn irgend eine belastende Wendung gebraucht würde. Mit ständig zunehmender Freude aber hörte ich, daß er das Protokoll so abfaßte, wie es ein Verteidiger kaum hätte günstiger tun können. Danach war die Anklage gegen Prof. K. unhaltbar geworden. Mir konnte man in dieser Sache erst recht nichts anhaben. Erleichtert setzte ich meinen Namen darunter.
Doch es blieb die leidige Angelegenheit mit meinen politischen Aufzeichnungen. B. begann sogleich auch dieses zweite Protokoll in die Maschine zu diktieren. Offenbar wollte er die ganze Sache schnell hinter sich haben. Ich mußte den kaum leserlichen Wortlaut der Notizen noch einmal entziffern und das Schreibfräulein schrieb ihn gleich in die Maschine. Einige Male versuchte ich, dieses und jenes Wort zu ändern und den Sätzen eine weniger gefährliche Wendung zu geben. Aber B. merkte es jedesmal, fuhr mich an und sorgte dafür, daß der wortgetreue Urtext in das Protokoll aufgenommen wurde. Auf dem großen Bogen, fein säuberlich mit der Maschine geschrieben, wirkte das alles viel härter, als auf meinen kleinen, flüchtig gekritzelten Zetteln. Ich fühlte jetzt erst so richtig, wie die Worte in diesem Hause mir zur Gefahr wurden. Für jeden deutlich lesbar standen sie jetzt da, daran war nichts mehr zu ändern.
Und doch mußte ich versuchen, mich zu retten, so lange noch Zeit und Gelegenheit dazu war. Durch meinen vorherigen Erfolg kühn gemacht, erläuterte ich, das Diktat unterbrechend, noch einmal meinen politischen Standpunkt, diesmal ausführlicher, als bei der letzten Vernehmung. Ich
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