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Nur vierzehn Tage : ein Tatsachenbericht / Walter Schumann
Entstehung
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hatte ja inzwischen im Gefängnis Zeit genug gehabt, alles noch einmal gründlich durchzudenken. Jetzt schreckte ich auch nicht davor zurück, einige mir gut bekannte Miẞstände bei der Partei anzuführen, die mich zu solchen Notizen mit veranlaßt hatten.

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,, Sie können das alles gleich selbst in die Maschine diktieren", sagte B., als ich geendet hatte. Nein, sicherlich war es nicht ratsam, nach der Auf­regung der seitherigen Vernehmung und der Schreckensfahrt im Gefängnis­wagen diese heikle Sache, von der meine Strafe abhängen würde, spruchreif in die Maschine zu diktieren. Jedes Wort mußte zuvor hin und her erwogen werden.

Offen sagte ich das jetzt, wobei ich, um meine Erregung noch mehr zu be­gründen, einen recht anschaulichen Bericht von der Todesfahrt am Morgen gab, so daß die drei Zuhörer betroffen dasaßen. Niemand von ihnen fand ein Wort, um diese Unmenschlichkeit zu verteidigen oder auch nur zu be­schönigen.

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Ich schlug daraufhin B. vor, daß ich alles, was ich zu meiner Verteidigung vorzubringen hatte, in Ruhe selbst niederschreibe. Er möge mir Bleistift und Papier geben. Allerdings, so sagte ich noch, als ich merkte, daß er hierzu nicht abgeneigt war ,,, meine düstere Zelle drüben, wo zwölf neugierige Mit­gefangene um einen herumsitzen, ist recht wenig für eine solche wichtige Niederschrift geeignet." Und ich bat um einen ruhigen Schreibplatz für einige Stunden hier im Hause.

Er winkte ab. Dazu sei man hier nicht eingerichtet. Doch dann überlegte er und ging hinaus. Als er wieder hereinkam, fragte er mich, wieviel Blatt Papier ich für meine Niederschrift benötige. Drei bis vier Seiten werden es wohl werden", sagte ich. Er gab mir Papier und Bleistift und forderte mich auf, ihm zu folgen. Es ging den Flur ganz entlang in das letzte Zimmer.

EINE GROSSE ÜBERRASCHUNG

Kaum war B. mit mir in dieses Zimmer getreten, da sprang der Herr darin von seinem Schreibtisch auf und ging freudig auf mich zu. Heil Hitler, Herr Schumann!" Und schon streckte er mir zur Begrüßung die Hand hin,

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