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Nur vierzehn Tage : ein Tatsachenbericht / Walter Schumann
Entstehung
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Unergründlich, wie sich die verschiedensten Rassen im Laufe der Jahr­hunderte und Jahrtausende in Deutschland wie in ganz Europa gemischt haben. Die mongolischen Hunnen, die unter Attila bei uns eindrangen, die fremdländischen Landsknechte des dreißigjährigen Krieges und die Völker, die halfen, Napoleon von unserem Boden zu vertreiben, sie alle haben eben­so wenig nach Abstammung und Ariernachweis gefragt, wie die deutschen Frauen und Mädchen, die sich ihnen bei diesen Kriegszügen teils gutwillig, teils mit Zwang und Gewalt hingaben. Und glaubt man etwa, die Römer, die jahrhundertelang am Rhein und in Süddeutschland saßen, dort Städte gründeten und Straßen bauten, haben sich von den germanischen Frauen ferngehalten. Gerade diese römischen Legionäre aber waren stark mit asia­tischen und afrikanischen Elementen durchsetzt. Diese fremden Bestand­teile blieben in unserem Lande; sie treten noch heute immer wieder in Er­scheinung; man muß sich nur einmal die Gesichter und den Körperbau sei­ner Mitmenschen daraufhin ansehen.

Alle Versuche, heute in Deutschland wieder so etwas wie eine Rassenrein­heit errichten zu wollen, müssen deshalb haltloses Papierwerk bleiben. Nur wirtlichkeitsfremde Ideologen, leichtfertige Massenredner und gedankenlose Schreiberlinge können sagen, es ginge in diesem Krieg um Erhaltung unse­rer Rasse. Sie meinen damit die nordische Rasse, von der sie behaupten, daß sie die wertvollste und hochstehendste Rasse sei, die alle Kultur geschaffen habe und erhalte. Dabei bedenken sie nicht, wie sehr man sich der Überheb­lichkeit verdächtig macht, wenn man eine so hohe Meinung von sich immer wieder in die Welt hinaus schreit.

Und die Tatsache, daß ausgerechnet unser so rassebetontes neues Deutsch­land mit den Japanern Waffenbrüderschaft geschlossen hat, um stammes­verwandte Nationen zu vernichten, zeigt der Welt deutlich, daß es uns in diesem Krieg nicht um heilige Rassenideale geht, sondern um niederen, materiellen Gewinn.

Am Montag ging es in unserer Gefängniszelle gleich vom frühen Morgen an lebhaft zu. Noch bevor unsere drei Polen zur Arbeit ausrückten, wurde draußen im Flur mit dem üblichen Lärm ein Transport zusammengestellt. Nach Oberndorf. Auch von unserer Zelle war einer dabei.

Dann wurde der Pole geholt, der am Samstag Abend aus Oberndorf zu­rückgekommen war. Auch der aufgeregte Hannoveraner wurde herausge­rufen. Er mußte, wie wir am Abend, als er wiederkam, erfuhren, mit einem

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