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Nur vierzehn Tage : ein Tatsachenbericht / Walter Schumann
Entstehung
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Hinaussehen konnten wir nicht; an Stelle von Fenstern waren an den Seiten nur eine Art kleine Luftlöcher angebracht.

Unterwegs hielt der Wagen in einem Hof. Wir mußten bereitstehende Eẞkübel einladen, das Abendessen für uns Gefängnis- Insassen. Sie sind verantwortlich, daß an dem Essen nichts geschieht", sagte der Wachtmeister zu mir. Es wäre schon denkbar gewesen, daß die hungrigen Ausländer über das Essen herfielen; mir knurrte ja auch der Magen. Aber die Furcht vor der deutschen Polizei ist gewaltiger als der ärgste Hunger.

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Der Wagen hielt wieder. Die Tür wurde geöffnet: wir waren daheim", im Hof der Büchsenschmiere. Jetzt begann das bekannte Schlüsselrasseln wieder. Drei bis vier Türen im Flur und Treppenhaus mußten geöffnet und hinter uns wieder sorgfältig geschlossen werden, bis wir endlich oben im eigentlichen Gefängnis waren. Das Schreien und Schimpfen, der Begleittext zur Melodie des Schlüsselrasselns, blieb nicht aus. Jeder mußte sich vor seine Zellentür stellen, in die er dann hineingelassen wurde.

In der Zelle war es schon fast dunkel. Rößler kam auf mich zu und flü­sterte:, Prof. K. haben sie auch geholt. Er ist in der Zelle nebenan. Ich habe seinen Namen gehört, als er eingeliefert wurde." Er glaubte, mir damit eine für mich wichtige Mitteilung zu machen, doch ich wußte es ja bereits und erzählte nun meinerseits, wie es mir gegangen war.

Ich stellte auch fest, daß die Insassen in der Zelle weniger geworden waren: den frommen Schneider und den Berliner, der Hochzeit halten wollte, hatte man wieder springen lassen.

Als dann die drei Polen von ihrer Arbeit in die inzwischen völlig dunkel gewordene Zelle zurückkamen, wußten wir, auch ohne daß ich nach der Uhr sah: es war jetzt gegen sechs Uhr. Bald darauf wurde Licht gemacht. Jeder empfing seine Abendportion, auf die alle ungeduldig warteten.

,, Wo ist der, der kein Mittagessen gehabt hat?", fragte der Wachtmeister. Ich erhielt mein Mittagessen nach, ohne daß ich hier etwas davon gesagt hatte. Es war von der Gestapo dem Gefängnisbeamten gemeldet worden. In solchen Dingen geht es bei der deutschen Polizei ordnungsgemäß zu.

Das Essen war nicht so gut, wie am Vortag: noch mehr Flüssigkeit als Nahrhaftes. Zum Abend gab es wenig Brot und eine Art Margarine, die ihres üblen Geschmackes wegen nur mit reichlich Salz zu genießen war.

Anschließend an das Abendessen rollten die einzelnen Phasen des Nacht­lager- Bereitens und Schlafenlegens ab, wie ich es am Tage vorher schon

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