gen lebenden südländischen Völker empfinden diese Zwangsmaßnahmen und die menschenunwürdige Behandlung noch weit lästiger und verabscheuungswürdiger als wir Deutsche, die wir uns an die einengende Polizeigewalt auf allen Gebieten längst gewöhnt haben.-
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Es wurde vier Uhr halb fünf Uhr. Draußen rührte sich noch immer nichts. Dem Griechen merkte man an, daß er ordentlich Hunger hatte. Die Hände in den Hosentaschen ging er zornig erregt auf und ab, sagte nichts mehr, sondern blies nur von Zeit zu Zeit die Luft durch die Zähne. In diesem Fauchen drückte sich seine ohnmächtige Wut aus.
Kurz vor fünf Uhr öffnete endlich der Herr mit der schwarzen Hornbrille, der den Griechen gebracht hatte, die Zelle. Er hieß uns draußen warten und schloß noch die beiden daneben liegenden Zellen auf. Jedesmal beim Öffnen einer Tür rief er:„ Auf gehts!" Aus der einen Zelle kamen vier Franzosen und Polen , aus der letzten drei Frauen.
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Die Karawane wurde hierauf oben in den mit Anzeigen- Annahme bezeichneten Raum geführt, in dem man mich am Vormittag versehentlich stehen gelassen hatte. Es erwies sich, daß der schwarze Herr mit der Brille jetzt hier Dienst machte und der eigentliche Empfangschef" war. Er sah auch noch eher wie der Empfangschef eines Hotels aus. Ich werde ihn hier künftig einfach als Empfangschef bezeichnen, da mir sein Name nicht bekannt geworden ist. Es war ja auch seine Aufgabe, die Ankommenden zu empfangen. Als Gäste freilich konnte man sie nicht bezeichnen, weder die, die kamen, um hier irgend wen anzuzeigen, noch gar die, die der Wagen aus dem Gefängnis herüberbrachte. Bei ihrem Empfang gab es an Stelle der im Hotel üblichen dienstbeflissenen Worte und geschmeidigen Bücklinge Schimpfen und Rippenstöße.
So brachte der Empfangschef auch jetzt die Ausländer mit Schimpfen und Püffen in Reih und Glied. Sie machten mit ihrer schlechten, heruntergerissenen Kleidung hier in dem schön ausgestatteten Raum einen besonders kläglichen Eindruck. Zum Teil standen sie verängstigt, fast zitternd, da. Offenbar hatten sie ihre Erfahrungen hinter sich. Zu sprechen wagte keiner: es wäre ihnen auch schlecht bekommen.
Nach dem Verlesen unserer Namen führten uns zwei uniformierte Wachtmeister aus dem Gefängnis in den vor dem Haus bereit stehenden Gefangenenwagen. Die Frauen kamen in ein vorn abgetrenntes kleineres Abteil. Wir sechs Männer hatten im hinteren Raum auf den Bänken reichlich Platz.
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