habt, das durch den Krieg zerschlagen worden war. Daraufhin ging er nach Deutschland zum Arbeiten. Er mußte tagtäglich in Waiblingen Kohlen ausladen. Dazu wenig Essen. Schließlich machte er nicht mehr mit. Ein griechischer Handelsmann ist besseres gewöhnt. Er weigerte sich beharrlich, weiter zu arbeiten. Wieder einer von dem faulen, widerspenstigen Ausländergesindel, dem man in Deutschland das Arbeiten beibringen muß. Zunächst versuchte man es im„ Guten": man sperrte ihn in Waiblingen einige Tage ein und gab ihm nichts zu essen. Doch er weigerte sich dann noch entschiedener, weiter Kohlen zu schaufeln unbegreiflich für die Polizeileute, die wohl wissen, daß Pferd nicht gleich Pferd ist und ein feines Reittier niemals neben einem plumpen Ackergaul vor einen schweren Lastkarren spannen würden, beim Menschen aber einen solchen Unterschied nicht anerkennen, zumal wenn es sich um Ausländer handelt. Nun, man bekommt im Nazi- Deutschland jeden klein. Gestapo heißt die wunderbare Einrichtung hierzu.
Wie weit die Angaben dieses Griechen auf Wahrheit beruhten, weiß ich natürlich nicht. Seiner Bildung und seinem Aussehen nach aber glaubte ich ihm, daß er Kaufmann von Beruf war. Er zeigte mir auch seine vom Kohlenschaufeln schwielig gewordenen feinen Hände. So bestand keine Ursache, den Bericht anzuzweifeln, zumal man ja draußen vielfach Gelegenheit hatte, ähnliche falsche Arbeitsverwendung, nicht nur der Ausländer, sondern selbst Deutscher zu beobachten.
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Eins steht für mich fest: Wenn dieser Mensch früher je Sympathien für Deutschland gehabt hat- und das war bei einem so gut deutschsprechenhier im neuen den griechischen Händler durchaus wahrscheinlich Deutschland hat man sie ihm gründlich genommen. Die Gestapo wird nun wohl vollends dafür sorgen, daß er sich einreiht in die große Haẞarmee, das heißt, in die Reihen der Männer und Frauen aller Nationen, die auf Grund ihrer Erfahrungen mit dem Nazi- Deutschland nur noch Haß- und Rachegefühle für unser Volk haben.
O, diese dummen, dummen, verantwortlichen Männer bei uns, diese engstirnigen, unpsychologischen Gewaltmenschen, die sich einbilden, sie könnten auf diese Weise ein geeintes, friedliches Europa unter Deutschlands Führung schaffen! Seelen kann man nicht zwingen, man muß um sie werben, wenn man sie gewinnen will, muß ihnen Besseres bringen, anstatt sie in schlechtere Verhältnisse zu pressen. Gerade die bisher frei und ungezwun
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