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Nur vierzehn Tage : ein Tatsachenbericht / Walter Schumann
Entstehung
Seite
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Ein Geisteslicht ist der Mann nicht gerade, dachte ich bei mir, als ich sein Gesicht sah und diese Worte hörte. Beim Sprechen brachte er den Mund kaum auf, und die Zähne machte er überhaupt nicht auseinander. Man mußte scharf aufpassen, um ihn zu verstehen.

Hat einer einen Wunsch?, murmelte er beim Hinausgehen noch.

Ich bitte Hertn Oberleutnant, meiner Frau schreiben zu dürfen, sagte ich schnell. Meine Mitgefangenen hatten mich auf diesen Augenblick vor- bereitet, und vom Militär her weiß man ja, wie diese Herren angesprochen sein wollen. Er blieb stehen, mich von oben bis unten ansehend.Warum hat man Sie geholt?

Ich erzählte ihm die Verdächtigung mit den Rundfunknachrichten.

Wie lange sind Sie hier?

Seit heute Vormittag.

Und da wollen Sie schon schreiben! Was haben Sie denn so Wichtiges?

Herr Oberleutnant, meine Frau weiß garnicht, wo.ich bin. Man hat mich vom Geschäft weggeholt. Außerdem brauche ich Seife, Handtuch und Zahnputzzeug.

Ist das so notwendig?

Ich bin es bisher gewöhnt, diese Sachen täglich zu benützen, antwortete ich und hatte Mühe, ein überlegenes Lächeln zu verbergen.Es ist etwas früh mit dem Schreiben, wenn Sie heute erst eingeliefert worden sind, aber ich will mal sehen, erwiderte er und wandte sich zum Gehen.

Ich habe auch noch einen Wunsch, sagte jetzt schnell noch ein anderer, der ebenfalls schreiben wollte.Ich auch!, meldete sich ein Dritter.

Dann wünschen Sie nur weiter, murmelte der Oberleutnant höhnisch durch die Zähne und ging hinaus.

Kaum war die Türe zu, da brach in der Zelle eine Schimpfkanonade über den Mann los.

Wer weiß, was der für einen Drachen daheim hat, wenn ihm sein Weib kein Essen ins Gefängnis bringen würde, sagte einer.

Der war nur neidisch, als er die guten Sachen hier auf dem Tisch sah; den Gefangenen gönnen sie es nicht, meinte ein anderer.

Wieder andere hatten nur verächtliche und derbe Ausdrücke für den Mann.

Rößler erklärte mir, daß dieser Oberleutnant ein alterZwölfender sei, das heißt, ein ausgedienter ehemaliger Feldwebel, der nach zwölfjähriger Mili-

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