tärzeit zur Polizei gegangen ist.„Von diesen Leuten kann man nicht mehr erwarten“, fügte er, sich seines Hauptmannsgrades bewußt, verächtlich hinzu.
Einer wußte jetzt zu berichten, daß der Oberleutnant als Vorsteher des Gefängnisses im Hause eine Dienstwohnung hat.
„Lieber draußen Lokusputzer, als hier Gefängnisdirektor“, bemerkte hier- zu einer, nur drückte er sich dabei etwas weniger schicklich aus.
Bald darauf brachte mir der Wachtmeister Briefpapier und Bleistift. Auf dem Kopf des Bogens waren eine lange Reihe Vorschriften aufgedruckt, die man beim Schreiben beachten mußte, wenn man wollte, daß der Brief wei- tergeleitet wird. Vor allem durfte man nichts über die schwebende Straftat erwähnen.
Der Bleistift war nur ein kümmerlicher, schlecht gespitzter Stummel, so kurz, daß man ihn beim Schreiben kaum in den Fingern halten konnte. „Da, nehmen Sie den, der ist besser“. Mit diesen Worten gab mir Rößler einen gut gespitzten langen Bleistift. Auf meine erstaunte Frage, woher er den habe, da ja diese Sachen jedem bei der Einlieferung abgenommen wer- den, lächelte er.„Man muß immer auf Draht sein.“
Es war in der Zelle schon ziemlich dunkel geworden, als ich schrieb. Bei dem trübseligen Novemberhimmel und dem kleinen, bedeckten Fenster war es ja den ganzen Tag über in dem Raum nicht recht hell gewesen. Auf meine Frage, ob nicht bald Licht gemacht würde, lächelten die anderen: so großzügig sei man hier nicht, wo schon draußen überall mit Strom gespart werden müsse.
Rößler hängte dann, nachdem ich meinen Brief beendet hatte, den Ver- dunkelungsrahmen in das Fenster, denn er wußte aus Erfahrung zu berich- ten, daß die Wachtmeister wild werden, wenn sie von draußen plötzlich Licht machen und dann beim Öffnen der Tür feststellen, daß das Fenster nicht vorher abgedunkelt war.
Beim Hin- und Herlaufen mußte man jetzt aufpassen, daß man in der rabenschwarzen Nacht nicht mit einem anderen zusammenstieß. Im übrigen staunte ich, wie schnell man, einem Blinden gleich, durch Tasten in dem Raum Tisch und Bank und auch die Gelegenheit für ein menschliches Be- dürfnis fand.
Gegen einhalb sechs Uhr wurde es im Flur draußen lebendig. Man hörte
Schritte, Stimmen und Namenaufrufe.„Sie kommen von der Arbeit zu-
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