linge meinten bei ihrem Erscheinen: ,, Die, Rote' kommt." Betrachtete man sie aus der Nähe, so schaute man in ein Gesicht voller Sommersprossen, dessen Züge mehr männ­lich als weiblich waren. Die Lippen und Mundwinkel zeigten Partien, die auf Brutalität und Perversität schlie­Ben ließen. Nein, es war kein menschliches Frauengesicht, dies waren die Züge einer weiblichen Bestie. Häftlinge, die neu hierher kamen, jahrelang in einer Zelle der Zucht­häuser und Gefängnisse gesessen hatten, blickten natür­lich interessiert auf die aufreizende weibliche Erscheinung. Hinzu kam noch, daß sie im Sommer in eng anliegendem Badeanzug zwischen den Häftlingen spazieren ging. Be­merkte sie, daß einer sie besonders interessiert musterte, ging sie auf diesen zu und drohte: ,, Sie haben wohl noch keine Frau gesehen. Was?! Wenn Sie mich noch mal so geil anstieren, melde ich's meinem Mann, der läßt Ihnen 25 auf den Arsch hauen!"

Ihr Mann nannte sich Karl Koch, war Standarten­führer, Kommandant des Lagers und die gefürchteste so­wie bestgehaßte Person in Buchenwald . Nach dieser Be­gegnung zog es jeder Häftling vor, sobald er wußte, wer die ,, Rote" war, einen großen Bogen um sie herum zu machen. Frau Koch provozierte aber nicht nur Häft­linge, um sie dann mit Hilfe ihres Mannes zur Bestrafung zu bringen, sie übte auch ihren Einfluß, besser gesagt. ihre Macht, gegenüber den SS - Angehörigen aus. Ihr Wunsch war vielen Befehl, so daß sie die wirkliche Herr­scherin in Buchenwald darstellte.

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Wer Gelegenheit gehabt hätte, einmal die Räume- eine Villa mit allem Komfort der Familie Koch zu betreten, der wäre durch viele Dinge in Erstaunen ver­setzt worden. Aber dies wäre noch nichts Besonderes. Aus dem Staunen wäre ihm bald darauf das Grausen ange­kommen. Schau, da auf diesem kleinen Tisch steht eine kleine Lampe. Wenn du sie von weitem ansiehst, findest du nichts Besonderes daran. Betrachtest du sie aus der Nähe, dann durchzuckt es unwillkürlich deinen Körper.

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