etwas so ungemein Einladendes; aber dazu drei Glastüren? Bubi grinste etwas hilflos. Als er sich endlich zum Sprechen ermannte, belebte sich das seltsam viereckige, knochige Gesicht der alten Dame unter der Schminke. ,, Das Zimmer ist bereits vergeben", erklärte sie mit gutem deutschen Akzent. ,, Ach?" sagte er ungezogen. ,, Warum geben Sie dann dem Komitee Ihre Adresse, gnädige Frau?"
,, Was für ein Komitee? Ich habe meine Adresse niemandem gegeben. An Deutsche vermiete ich nicht."
,, Ach", wiederholte Elger noch ungezogener. Statt zu sagen, daß er kein Nazi war und daß es sich um eines der Flüchtlingskomitees handelte. ,, Und warum nicht, wenn ich fragen darf?"
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,, Weil Ihr Hitler ein Abenteurer und Schurke ist, der nur Gewalt kennt. Krieg will er, Krieg und wieder Krieg. Wir Tschechen haben uns nach jahrhundertelanger Unterdrückung durch Deutsche unsern eigenen Staat aufgebaut." Ihre fahlen Wangen wurden zusehends röter. Sie sprach sehr schnell: ,, Ihr faschistischen Banditen fallt in den Hörsälen über unsere tschechische Jugend her eine Jugend, die die deutsche Kultur verehrt hat! wie Hetzhunde über Wild . Sechs über einen. Wir Tschechen wollen Frieden, verstehen Sie das? Frieden! Wir wollen unsere junge Republik aufbaun. Wir hassen Ihren Hitler und seine Blutträume vom Krieg!"
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,, Meinen Hitler?" rief Bubi Elger empört. ,, Wer sagt Ihnen, daß es meiner ist?" Seine Stimme ging steil in die Höhe. ,, Wieso meiner? Mein Hitler! Sehr gut. Ich bin vor Hitler geflohen, damit Sie's nur wissen", rief er erbost. ,, Weil ich mißhandelt worden bin. Jawohl."
Die Dame sah den gepflegten, jungen Mann ungläubig an. Bubis Augen blitzten. ,, Von der SA. Wollen Sie es sehen?" In dem Gesicht der Dame malte sich Widerwillen, ja Abscheu.
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,, Wer weiß, woher Sie das haben! Sie möchten mir einreden, daß Sie ein Verfolgter sind?"
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