DER LANDSTREICHER
Die Tische und Stühle des schönen, alten Baumgartens standen heute leer. Auch im Buchenwald , in den er unmittelbar überging, sah man weder bunte Kleider, noch hörte man Menschenstimmen. Ein sanfter Juliwind bewegte leise die Blätter der alten Bäume; der Duft der warmen Erde und des Grases erfüllte die reine Luft. Der weite Platz hinter dem großangelegten, jetzt baufälligen Gebäude stand verlassen. Weder Leiterwagen noch ländliche Kutschen, keine einzige Equipage, kein Auto.
Es war Freitag. Das Sommertheater, die Attraktion des Arnold Buseschen Kaffeegartens, dessen Schild weit durch die Bäume und über die bescheidenen Kaffeekioske strahlte, spielte nur sonntags und donnerstags. Nicht einmal eine Probe war heute in dem häßlichen Bühnensaal, dem einstigen einzigen Schafstall eines mitteldeutschen Gutsbesitzers, der mit gar zu vielen Spekulationen sich um dieses Besitztum gebracht hatte. Auf der festgetretenen Wiese hinter dem Saal hörte man heute nur Herrn Buses Gänse schnattern. In den kleinen Kammern hinter einer brüchigen Holzgalerie, noch rings um den Schafstall, hatte vor vierzig Jahren das herrschaftliche Gesinde gehaust. Jetzt, im Jahre 1909, hatte Herr Wohlmann aus Posen alles gemietet. Seinen jungen Talenten, die froh sein mußten, im Sommer nicht zu hungern, zog er diese Quartiere mit je 15 Mark von ihren winzigen Gagen ab.
Die Aufsicht über diese ärmsten und unbeweibten Mieter hatte die Sekretärin des Direktors. Ihr unumschränkter Gebieter nannte sie Goldchen; und so nannten sie alle. Trotz
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