augenfälliger Bleichsucht war dieses armselige Geschöpf un- ermüdlich fleißig und tätig, überall wo es Arbeit für den
Direktor gab. Sie war nicht nur seine Stenotypistin, sein Tippfräulein und seine Rechnungsführerin, sondern auch seine Wäscherin und Privatbedienung in zwei Zimmern für jede Art von Körperpflege. Der Direktor und die etwas besser gestellten Mitglieder des sommerlichen Opern- und Schau- spielensembles bewohnten die hohen und ziemlich verkom- menen Zimmer des einstigen Gutshauses.
Der Betrieb des Herrn Wohlmann war mitten im Walde gelegen, anderthalb Stunden Fußweg entfernt von der näch- sten Provinzstadt. Er trug fast alle Anzeichen einer Schmiere größeren Stils, war aber nicht in jedem Sinn eine solche. Die damals noch halbjährige Theatersaison warf zu jedem ‚hei- ligen“ Osterfest in Deutschland Tausende von Künstlern auf die Straße. Ein geschickter Geschäftsmann konnte sich ziem- lich mühelos ein gar nicht übles Orchester, dazu Operetten- sänger und Schauspieler jeder Art zusammenholen. Er konnte ihnen im Sommer fast dieselben Gagen zahlen wie seinem Souffleur und Beleuchter und erstrahlte dabei noch im Glanz eines Wohltäters der Menschheit. Herr Wohlmann hatte es verstanden, in den Berliner Theateragenturen aus der Menge der verzweifelten Ostergäste zwei erfahrene alte Theater-
. hasen als Regisseure zu fischen und ein paar junge Talente für Spieloper und Schauspiel. Er hatte sich im einstigen
Schafstall an ein künstlerisch anspruchsvolles Repertoire ge- wagt. Eben dies verlangte hier das theaterhungrige Publi- kum, die Pächter und kleinen Gutsbesitzer der Umgebung und der Mittelstand des nahen Städtchens, das einst die erste Universitätsstadt Deutschlands gewesen war und seither von Bildung träumte,
In einem„Büro“ benannten Zimmerchen neben dem Bühnensaal saß Herr Wohlmann hinter einem leeren Schreib- tisch. Noch nie hatte er es wie heute bedauert, die Schuh- warenbranche mit der Theaterbranche vertauscht zu haben. Sein feister, langer Oberkörper lehnte steif gegen die wack-
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